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5) Christi Werk ist völlig ausreichend — die evangelische Botschaft

Ich will nun zeigen, dass das Werk Christi zur Erlangung der Erlösung völlig ausreichend ist. Ich glaube, dass sein stellvertretendes Leiden und sein Tod die Schuld seines Volkes vollkommen bezahlt hat, die es der göttlichen Gerechtigkeit geschuldet hat. Damit erlöst er sein Volk davon, die Konsequenzen ihrer Sünden zu tragen. Dadurch, dass er das Gesetz vollkommen eingehalten hat und ein Leben völliger Sündlosigkeit gelebt hat, hat er stellvertretend ewiges Leben für sein Volk erkämpft. Sein Werk reicht völlig aus, die Errettung von den Sünden und das ewige Leben sicherzustellen. Diese zwei Phasen seines Werks werden manchmal sein aktiver und sein passiver Gehorsam genannt. Die Lehre von der Zulänglichkeit seines Heilshandelns formuliert das Westminster-Bekenntnis an der Stelle, wo sie über seinen vollkommenen Gehorsam und sein Opfer sagt:

»Der Herr Jesus hat der Gerechtigkeit seines Vaters vollständig entsprochen, indem er sich selbst in völligem Gehorsam durch den ewigen Geist ein für allemal Gott geopfert hat. Damit hat er nicht nur die Versöhnung erworben, sondern auch ein ewiges Erbe im Himmelreich für alle diejenigen, welche ihm der Vater gegeben hat.«151151     WB, Art. 8.5.

Wenn er nur die Schuld bezahlt hätte, ohne damit auch ewiges Leben für sein Volk zu erhalten, dann wäre sein Volk »nur« von Minus auf Null gebracht. Es wäre dort, wo Adam vor dem Fall war und hätte immer noch darum kämpfen müssen, ewiges Leben zu erhalten. Zu Paulus’ Bemerkung in Kol. 3,11, dass Christus alles und in allen sei, können wir hinzufügen, dass der Mensch zu diesem Werk nicht nur nichts hinzufügt, sondern auch sonst keinerlei Verdienst daran hat.

An dieser Stelle kann ich nichts besseres tun, als Dr. Warfield zu Wort kommen zu lassen, der 1 Tim 1,15 folgendermaßen kommentiert:

»Jesus hat alles getan, was zur Errettung dazugehört. Er ist nicht gekommen, um uns zu veranlassen, uns selbst zu retten oder um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben oder um uns fähig zu machen, uns selbst zu retten. Er ist gekommen, um uns tatsächlich zu retten. Genau deshalb heißt Er ja auch JESUS — denn Er wird Sein Volk retten von ihren Sünden. … Nichts, was wir tun könnten oder sind, ist der Rede auch nur wert angesichts unseres Grundes, der uns vor Gott akzeptabel macht. Jesus hat alles getan. Durch dieses Werk ist Er im vollsten, weitesten und tiefsten Sinn des Wortes unser Retter. Es war Sein Ziel; deshalb ist Er in die Welt gekommen: um Sünder zu retten! Nichts weniger als die vollkommene Errettung von Sündern wird Ihn zufrieden stellen über das Werk, über das er selbst geredet hat und das seine Apostel in die Welt hinaus getragen haben. Dies ist das Evangelium, das ganze Evangelium! Wir dürfen niemals vergessen, dass das Evangelium kein ,Rat‘ ist, sondern eine gute Nachricht. Das Evangelium sagt uns nicht, was wir tun müssen, um errettet zu werden, sondern es erklärt, was Jesus getan hat, um uns zu retten. Da wird uns die Errettung, und zwar die vollkommene Errettung mitgeteilt; der Schwerpunkt der Nachricht ist nichts anderes als das, was wir sagen — dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten.«152152     B. B. Warfield, The Power of God Unto Salvation, S. 48-50.

Daran zu zweifeln, dass irgend jemand verlorengeht, für den Christus gestorben ist oder dass die Gerechtigkeit endlich siegen wird, heißt, an der Zulänglichkeit des Opfers Christi zu zweifeln, das er unsertwegen gebracht hat. Am Kreuz erklärte Jesus die Vollendung des Erlösungsopfers, das der Vater ihm aufgetragen hatte. Aber wie Toplady gesagt hat:

»Derjenige, der die Macht hat, anzunehmen oder abzulehnen, wie es ihm gefällt, sollte der sagen müssen: Nein, du hast das Werk der Erlösung nicht vollendet, das dir aufgetragen worden ist; du hast tatsächlich einen Teil davon vollbracht, aber ich selbst muss immer noch etwas dazu tun, denn sonst war alles, was du getan hast, völlig umsonst?«153153     Boettner gibt die Quelle nicht an.

Nur die, die der Ansicht sind, dass man alle Macht der Sündenerlösung Gott zuschreiben muss, sind konsequente, unwidersprüchliche Evangelische, denn das Wort »evangelisch« bedeutet, dass Gott allein es ist, wer rettet. Wenn erst noch Glaube und Gehorsam zu dieser Errettung notwendig sind, die noch dazu auf der unabhängigen Entscheidung des Menschen beruhen, dann sind wir nicht mehr evangelisch. Der Evangelikalismus, der die Erlösung aller Menschen predigt, führt in die Allversöhnung; und insofern der Arminianismus behauptet, dass Christus für alle Menschen gestorben sei und dass der Geist Gottes darum kämpft, allen Menschen diese Erlösung  zuteil werden zu lassen, allerdings oft genug scheitert, ist er nicht mehr evangelisch.

Wir können das Prinzip des Evangelikalismus noch anders illustrieren. Stellen wir uns eine Anzahl von Menschen vor, die von einer unheilbaren Krankheit heimgesucht werden. Bekommen sie nun die rettende Medizin, werden sie geheilt. Genauso mit dem Werk Christi: ist es vollwirksam und wird es jedem Menschen gegeben, so werden auch alle errettet werden. Wenn der Arminianismus evangelisch sein will, muss er letztlich an die Allversöhnung glauben. Nur der Calvinismus, der echt evangelisch an eine begrenzte Sühne glaubt und versichert, dass das Werk Christi auch erreicht, was es sich vorgenommen hat, darf auf innerem logischen Zusammenhang in Übereinstimmung mit der Schrift und mit der Erfahrung pochen.


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