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3) Die Früchte des Calvinismus in der Geschichte sind seine beste Verteidigung

Der Calvinismus reagiert auf den Vorwurf, die Moral nur wenig befördern zu können, nicht nur mit Vernunftgründen, sondern auch mit Fakten; er setzt den unhaltbaren Behauptungen seinen weltweiten Ruf entgegen. Was für Früchte, so fragt er, können andere Lehrgebäude dem Calvinismus entgegenhalten, wenn er auf die Errungenschaften der Reformatoren verweist oder auch auf den hohen moralischen Ernst der Puritaner?

Luther, Calvin, Zwingli und deren unmittelbare Helfer waren durchgängig »Calvinisten«; unter ihnen fand die größte Erweckung aller Zeiten ihren Anfang. Der Calvinismus Englands etwa hielt sich so streng an die Reinheit der Lehre, der Anbetung und des täglichen Lebens, dass seine Anhänger gerade von ihren Feinden, die mitunter ihre besten Zeugen gewesen waren, den Namen »Puritaner« verliehen bekamen.

In England waren es die Puritaner, in Schottland die Covenanters und in Frankreich die Hugenotten, die am selben Glauben und am gleichen Ethos festhielten. Es wird dem Calvinismus als Beweis für seine charakterformende Macht angesehen werden müssen, dass sein System in all diesen Ländern die gleiche Art Mensch hervorgebracht hat.

Über die Puritaner in diesem Land sagt McFetridge:

»Unter allen Völkern der amerikanischen Kolonien waren sie (die Puritaner, die Calvinisten Neuenglands) einzigartig, was die Moral betrifft. In ihren Überzeugungen gediegen, waren sie Männer und Frauen von Gewissen. Sie haben sich wahrlich keiner Gefühlsduselei hingegeben. Für die bloße Beachtung von Vorschriften hatten sie nichts übrig. Das Leben war zu erhaben für sie, zu ernst und zu feierlich, als dass sie sich in frommen Ergüssen oder emotionalen Rhapsodien ergingen. Von ganzem Herzen glaubten sie an einen gerechten Gott, an einen Himmel und an eine Hölle. Aus tiefstem Herzen fühlten sie, dass das Leben kurz ist und die Verantwortlichkeiten groß. Ihre Religion war ihr Leben. All ihre Gedanken und Beziehungen waren davon durchdrungen. Nicht nur ihre Mitmenschen, sondern auch ihre Tiere bekamen diesen guten Einfluss zu spüren. Tieren Gewalt anzutun galt ihnen als offenes Ärgernis. In dieser Hinsicht waren sie der Menschheit um zwei Jahrhunderte voraus. Sie waren fleißig, genügsam und tatendurstig — was ihnen und ihren Nachkommen zu großem Wohlstand verhalf. Trunkenheit, Lästerung und Bettelei waren ihnen verhältnismäßig unbekannt. Sie brauchten weder Schloß noch Alarmanlage, um ihr ehrbar errungenes Gut zu schützen. Ein einfacher Holzriegel genügte, um sie und ihr Hab und Gut in einer Umgebung zu sichern, wo die Ehrbarkeit tägliche Regel war. Aus dieser Lebensart resultierte Gesundheit und Kraft. Sie lebten lange und glücklich, hinterließen große und hingebungsvolle Familien und sanken ›wie reifes Korn, das geerntet wird‹, ins Grab, hatten ihren Frieden mit Gott und ihren Mitmenschen geschlossen, alles in der Hoffnung einer gesegneten Auferstehung.«213213     McFetridge, Calvinism in History, S. 128.

Als Krone der calvinistischen Moral darf gelten, dass die ganze Geschichte des Puritanismus keinen einzigen Fall von Ehescheidung kennt. Was haben wir doch heute nicht für einen schreienden Bedarf an solchen Einflüssen! Gesetzlosigkeit, wenn sie denn vorgekommen ist, war die Ausnahme; die Puritaner kannten sie kaum. Wenn der Calvinismus der Moral tatsächlich so wenig förderlich ist, dann ist es in der Tat ein sehr eigenartiger Zufall, dass dort, wo es am meisten davon gegeben hat, die Kriminalität äußerst gering war. So sagt Froude:

»Das Problem ist eben: Weinbeeren liest man nicht von Dornhecken. Erhabenere Naturen lassen sich nicht von engstirnigen und herzlosen Theorien leiten. Das geistliche Leben ist voll von offensichtlichen Paradoxien. … Die praktische Auswirkung eines Glaubens ist der beste Beweis für seine Stichhaltigkeit. Bringt eine gewisse Anschauung ein heldenhaftes Leben hervor, dann wäre es infantil, angesichts dieser Tatsachen zu meinen, alles hätte auch anders kommen können.«214214     James Froude, Calvinism, S. 8.

Henry Ward Beecher bemerkt:

»Es gibt kein Lehrgebäude, das an Intensität dem Calvinismus das Wasser reichen könnte, was zumindest die hervorragende Moralität und die Reinheit des Charakters betrifft. Seit Weltbeginn hat wohl kein einziges System dem Menschen mehr Beweggründe zu heiligem Leben liefern können, oder auch nur eines, das wie der Calvinismus ganze Batterien an Waffensystemen gebaut hat, den Sündengrund zu attackieren. Man sagt uns, der Calvinismus hantiere mit Hammer und Meißel. Ja, das stimmt, doch das Ergebnis ist ein ansehnlicher Marmorblock. Andere Systeme lassen den Menschen schmutzig und verweichlicht; der Calvinismus macht sie zu Marmorblöcken, geschaffen für die Ewigkeit.«215215     Zitiert nach McFetridge, Calvinism in History, S. 121.

Weit davon entfernt, als Lehrgebäude zu Unmoral und Verzweiflung zu führen, hat es sich gezeigt, dass im Alltag das Gegenteil der Fall ist. Kein anderes Lehrgebäude hat Menschen von solch brennendem Geiste an religiösen Idealen und ziviler Freiheit hervorgebracht oder solch hochtrabende Ideen von Moral und Bestrebungen in allen Phasen menschlichen Lebens gezeitigt. Wo immer die Reformation hingekommen ist, blühte das Land auf wie eine Rose, auch wenn es sich dabei um arme Länder wie Holland, Schottland oder auch Neuengland handelte. Selbst Macaulay und viele andere haben das zugegeben, und das ist immerhin beruhigend.


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