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3) Auch Gerettete können zeitweise rückfällig werden und in Sünde leben

Die Lehre vom Beharren der Heiligen bedeutet nicht, dass Christen nicht zeitweise dennoch Opfer der Sünde werden können; dies ist sogar leider sehr oft der Fall. Auch die Besten können zeitweise in Sünde sein. Doch völlig abgelehnt werden sie niemals, denn Gott bewahrt noch den schwächsten Heiligen durch die Macht seiner Gnade davor, endgültig zu fallen. Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überreiche Fülle der Kraft nicht uns, sondern Gott zugeschrieben wird (2 Kor 4,7).

Aus eigener Erfahrung konnte sogar der große Apostel Paulus schreiben: »Ich tue eben nicht das Gute, das ich will, sondern führe das Böse aus, das ich nicht will. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, dann vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Und so finde ich das Gesetz vor: Dass bei mir, der ich das Gute tun will, das Böse vorhanden ist. Der innere Mensch in mir stimmt freudig dem Gesetz Gottes zu, ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das im Streit liegt mit dem Gesetz meines Geistes. Es macht mich zum Gefangenen unter dem Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern herrscht. Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich retten aus dem Leib dieses Todes? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Somit diene ich selbst zwar mit dem Geist dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde« (Röm 7,19—25). Jeder wahre Christ wird sich in diesen Zeilen finden.

Zum Christenwesen passt freilich das Sündigen nicht; der Autor des Hebräerbriefes sagt, dass der, der die Sünde tut, »noch einmal für sich selbst den Sohn Gottes ans Kreuz schlägt und ihn dem Gespött preisgibt … « (Hebr. 6,6). David bereute seine Sünde, und Nathan, der Prophet, sprach ihm die Vergebung Gottes zu, aber nichtsdestotrotz hatte er »den Feinden Israels Anlass zur Lästerung gegeben« (2. Sam. 12,14). David und Petrus — beide fielen sie, doch das in ihnen wohnende Lebensprinzip ließ sie umkehren. Judas fiel ebenfalls, doch weil dies Prinzip nicht in ihm wohnte, war sein Fall endgültig.

Solange der Glaubende in dieser Welt ist, befindet er sich in einem Zustand des Kampfes. Er erleidet zeitweise manche Sündenanfechtung, der er erliegen mag, ja, er mag sogar zu manchen Zeiten allen Glauben verlieren, doch er ist ein für allemal gerettet, daher kann er niemals ganz von der Gnade fallen. Wenn er einmal diese Veränderung in sich gespürt hat, die die Wiedergeburt in ihm bewirkt hat, dann wird er früher oder später zur Herde zurückkehren und gerettet werden. Wenn er in sich geht und Gott um Vergebung bittet, nachdem er seine Sünde bekannt hat, dann wird er nicht mehr zweifeln, dass er gerettet ist. Sein »Sündenfall« wird ihm ernsten Schaden zugefügt haben und andere verletzt haben, aber soweit es ihn selbst betrifft, ist ein solche »Sündenfall« nur temporär. Paulus lehrte, dass das ganze Lebenswerk einiger verbrennen wird, wenn es aus dem falschen Material gemacht worden ist, aber sie selbst werden gerettet werden, wenn auch »wie durchs Feuer« hindurch (1 Kor 3,12—12). Das gleiche lehrt Jesus im Gleichnis mit dem verlorenen Schaf, das er sucht und zur Herde zurückbringt.

Wenn wahre Gläubige abfallen, dann werden ihre Körper, die auch »Tempel des Heiligen Geistes« genannt werden, zur Wohnung des Teufels, und selbstverständlich freut sich der Teufel darüber und beleidigt Gott damit (1 Kor 6,19).

»Der Christ gleicht einem Menschen, der einen steilen Weg hinaufgeht, zeitweise ausrutscht, aber seinen Blick immer fest auf das Ziel gerichtet hat. Der nicht wiedergeborene Mensch blickt nach unten und rutscht ständig aus.«167167     A. H. Strong

»Der Gläubige kann wie ein Matrose auf den Schiffsplanken ausrutschen und fallen; über Bord geht er nicht.«168168     Charles H. Spurgeon

In dieser Hinsicht gleicht jeder Erwählte dem verlorenen Sohn, der eine Zeitlang von seinen eigenen Gelüsten und von den Verführungen der Welt fehlgeleitet wird. Er versucht, sich von den Trebern zu ernähren, aber dies kann ihn nicht zufriedenstellen. Früher oder später muss er sagen: »Ich will mich aufmachen, zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.« Er wird auf den gleichen liebevollen Empfang treffen; des Vaters willkommen heißende Stimme wird seine Seele durchdringen und das Herz des armen und abgefallenen Rückkehrers zum Schmelzen bringen: »Dieser mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist gefunden worden.« Man bedenke, dass dies ein durch und durch calvinistisches Gleichnis ist, da der verlorene Sohn immer ein Sohn war und diese Beziehung nicht verloren hatte. Jene, die niemals Söhne waren, haben auch nie das Verlangen, zu ihrem Vater zu kommen.

Wir mögen uns in unseren Urteilen manchmal irren, genauso wie es mit den »verzauberten« Galatern der Fall war (3,1); wir mögen kalt sein wie die Gemeinde in Ephesus (Offb. 2,4). Die Gemeinde mag schläfrig werden, doch ihr Herz wird erwachen (Hld. 5,3)

Es mag manchmal so aussehen, als habe Gott einem seiner Kinder seine Gnade entzogen, doch das ist nur scheinbar so. Die Sonne mag verfinstert sein, doch sie gewinnt ihren Schein wieder zurück. Der Baum mag im Winter alle seine Blätter und seine Früchte verlieren; im Frühjahr bekommt er neue Knospen. Israel floh ein-, auch zweimal vor seinen Feinden, und dennoch hat es das versprochene Land eingenommen. Auch der Christ mag zuweilen fallen, doch letzten Endes ist seine Errettung sicher. Es ist undenkbar, dass Gott einen Erwählten verlorengehen lässt.

»Es ist unmöglich, der Allmacht Gottes zu entfliehen. Auch Jona hat das erfahren, als er vor Gottes Befehl davonlief, statt Niniveh vor seinem Untergang zu warnen. Doch Gottes Macht verfolgte ihn bis in den Bauch des Fisches, bis er endlich gewillt war, Gottes Befehl auszuführen. Auch der gefallene Christ wird zu seinem Retter zurückfinden, und nachdem er seine Sünde bekannt hat, wird ihm vergeben werden und er wird gerettet werden.«169169     F. E. Hamilton, (Artikel) The Reformed Faith and the Presbyterian Church.


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