« Prev 1) Gemeinsame Schwierigkeiten der einzelnen… Next »

1) Gemeinsame Schwierigkeiten der einzelnen Lehrgebäude

Wenn alle Menschen in Sünden tot sind und der Kraft ermangeln, die sie zu geistlichem Leben erneuern kann: Weshalb — so fragt man — gebraucht Gott seine Allmacht dann dazu, so wählerisch zu sein? Er schenkt dem einen das Leben und lässt den anderen verderben? Gerechtigkeit, so sagt man, verlangt, dass alle die gleiche Chance bekommen, entweder durch natürliche Möglichkeit oder durch gleicherweise Gnade, sich ihr Heil zu sichern. An dieser Stelle muss eines klar sein: Diese Frage trifft keineswegs nur den Calvinismus. Genau diese Frage pflegt der Atheismus dem Theismus im Allgemeinen zu stellen. Man argumentiert: Wie kann der unendlich mächtige und heilige Gott so viel Sünde und Elend auf dieser Welt zulassen? Wieso kann und darf es sein, dass die Bösen so lange Perioden des Erfolgs erleben, während der Gerechtigkeit so oft nur Armut und Elend bleibt?

Eines ist klar: Anticalvinistische Systeme haben hier wenig Antworten anzubieten. Einmal zugegeben, dass die Hinwendung zu Gott des Menschen eigene Handlung sei, dass er mit dem Wissen um das dafür Nötige ausgestattet sei, dass er fähig sei, sich sein eigenes Heil zu sichern,199199     Damit ist nicht gemeint, der Mensch könne sich sein eigenes Heil erringen oder erarbeiten, sondern könne die Initiative von sich ausgehen lassen (A. d. Ü.). muss man doch eines sagen: Gegenwärtig sind es nur wenige, die Errettung finden; Gott scheint wenig dagegen zu tun, die Mehrheit der Erwachsen vor ihrem Untergang zu bewahren. Der Calvinismus bestreitet die damit verbundenen Schwierigkeiten keineswegs; er sagt aber, dass ihm solche Probleme vom Lehrgebäude her nicht fremd sind. Er gibt sich allerdings mit den Teiloffenbarungen der Heiligen Schrift zufrieden. Die Bibel lehrt, der Mensch wurde als heiliges Geschöpf geschaffen. Er hat das göttliche Gesetz freiwillig übertreten und ist in Sünde gefallen, was dazu geführt hat, dass Adams Nachkommenschaft — die ganze Menschheit also — schon in einem Zustand des geistlichen Todes zur Welt kommt. Gott stürzt den Menschen nicht in weitere Sünde hinein, sondern übt gegenteilige Einflüsse aus, die darauf abzielen, das vernünftige Geschöpf zu Buße und Umkehr zu bewegen und die heiligende Gnade zu suchen. Jeder, der ernsthaft bereut und sich nach dieser Gnade ausstreckt, erlangt auch Errettung; eine große Zahl derer, die sonst in ihren Sünden geblieben wären, sind so schon errettet worden.


« Prev 1) Gemeinsame Schwierigkeiten der einzelnen… Next »
Please login or register to save highlights and make annotations
Corrections disabled for this book
Proofing disabled for this book
Printer-friendly version





Advertisements



| Define | Popups: Login | Register | Prev Next | Help |