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3) Inwendige Veränderung durch übernatürliche Kraft

Diese Veränderung nennt die Schrift Erneuerung (Tit. 3,5), eine geistliche Wiedergeburt, die mit der gleichen Kraft bewirkt wird, mit der Gott auch Christus von den Toten auferweckt hat (Eph 1,19f.), ein Ruf heraus aus der Finsternis in das wunderbare Licht Gottes (1 Petr 2,9), ein Durchdringen vom Tod ins Leben (Joh 5,24), eine Neugeburt (Joh 3,3), ein Erwecken zum Leben (Kol. 2,13), den Ersatz des steinernen Herzens durch ein Herz aus Fleisch (Ez 11,19) — den Menschen, dem das geschieht, nennt die Bibel eine »neue Kreatur« (2 Kor 5,17). Solche Beschreibungen widerlegen die Ansicht des Arminianismus völlig, dass die Erneuerung in erster Linie ein Akt des Menschen sei, dass sie etwa der moralischen Überzeugung zuzurechnen sei oder einfach dem Einfluss der Wahrheit, wie sie generell vom Heiligen Geist ausgeht. Weil diese Veränderung gerade mit göttlicher Macht geschieht, die die lebendige Quelle dieses neuen Lebens ist, so ist sie auch vollwirksam und bleibend.

Die Erneuerung der Seele ist etwas, das in uns und mit uns gemacht wird und nicht etwas, das wir selbst bewerkstelligten. Es ist eine augenblickliche Veränderung von geistlichem Tod zu geistlichem Leben. Wir werden dessen nicht einmal gewahr, weil diese Veränderung tiefer liegt, als das Bewusstsein greifen kann. Zum Zeitpunkt der Veränderung sind wir so passiv wie Lazarus, bevor er aus dem Grab gerufen wurde. Über diesen Prozess der Veränderung sagt Charles Hodge:

»Wir sind die Behandelten, nicht die Behandelnden dieser Veränderung. Die Seele kommt den Geschehnissen vor und nach dieser Veränderung entgegen, doch zum Zeitpunkt der Veränderung ist sie empfangend, nicht handelnd. Der Blinde und Lahme, die zu Christus kamen, können zwar viel unternommen haben, um in Christi Gegenwart zu kommen und können die ihnen geschenkte Heilung voller Freude genießen — aber sie haben diese Heilung zuerst einmal empfangen müssen, und dabei verhielten sie sich eben rein empfangend. Das gleiche geschieht bei der Wiedergeburt.«143143     Charles Hodge, Systematic Theology, Bd. 2, S. 688.

An einer anderen Stelle sagt er:

»Die gleiche Lehre zu diesem Thema wird in anderen Worten ausgedrückt, wenn von der Erneuerung als einer Wiedergeburt gehandelt wird. Das Kind tritt bei seiner Geburt in einen neuen Zustand des Existierens ein. Die Geburt ist nicht sein eigenes Handeln, es wird geboren. Es kommt aus einem Zustand der Dunkelheit, in welchem all seine Natur noch nicht zur Geltung hat kommen können oder es noch handlungsunfähig war. Doch sobald es zur Welt gekommen ist, werden all seine Fähigkeiten erwachen: es sieht, fühlt und hört, und nach und nach entwickelt es alle Fähigkeiten eines moralischen, verstandesbegabten und physischen Wesens. Die Schrift sagt, so ist es auch bei der Erneuerung. Die Seele geht in einen neuen Zustand über. Sie wird in eine neue Welt eingeführt. Kategorien werden ihr offenbart, zu denen sie vorher weder Zugang noch Interesse hatte. Diese Kategorien üben jetzt ihren entsprechenden Einfluss auf sie aus.«144144     Ebd., S. 35.

Erneuerung bringt eine wesentliche Änderung des Charakters mit sich. Sie verändert den Baum in einen, der jetzt gute Früchte bringen kann. Das Resultat dieser Änderung ist, dass die Person vom Zustand des Unglaubens in den des rettenden Glaubens versetzt wird, nicht durch einen Prozess des Forschens oder durch logische Argumente, sondern aus innerer Erfahrung. Genauso wenig, wie wir aktiv zu unserer Geburt beigetragen haben, sondern diese Geburt als souveräne Handlung Gottes sehen, so haben wir auch nichts mit unserer geistlichen Geburt zu tun, sondern erhalten sie als ein Geschenk des souveränen Gottes. Beide Geburten geschehen ohne Ausübung unserer eigenen Kraft; wir wurden auch nicht danach gefragt, ob wir geboren werden wollten. Wir können der Neugeburt genauso wenig widerstehen, wie wir das gegenüber unserer natürlichen Geburt konnten. Genauso, wie wir nach unserer Geburt unser Leben leben, so tun wir das auch nach unserer Wiedergeburt: wir leben unser neues Leben und arbeiten unser Errettetsein aus.

Die Bibel lehrt demonstrativ, dass die Grundvoraussetzung, um in das Königreich Gottes kommen zu können, eine radikale Verwandlung ist, die vom Geist Gottes selbst bewirkt werden muss. Da diese Veränderung der Seele souverän und übernatürlich geschieht, wird sie ganz dem Wohlgefallen Gottes gemäß gewährt oder verweigert.

Daher ist Erlösung, wem immer sie auch gewährt wird, einzig und allein Gnade. Der wiedergeborene Christ begreift, dass Gott tatsächlich der »Urheber und Vollender« seines Glaubens ist (Heb. 12,2), und aus diesem Blickwinkel begreift er, dass Gott etwas in ihm und für ihn getan hat, das er seinem ungläubigen Nachbar verweigert hat. Die Antwort auf die Frage: »Denn wer gibt dir den Vorzug? Was hast du, das du nicht empfangen hättest?«145145     Sinngetreu formuliert: »Was rühmst du dich, als sei es kein Geschenk, sondern etwas, was du dir selbst erarbeitet hast?« (A. d. Ü.). (1 Kor 4,7) lautet demnach: Gott gibt den Vorzug, Gott macht diesen Unterschied zwischen Menschen, zwischen Erlösten und Verlorenen. Wenn da jemand glaubt, dann deshalb, weil Gott ihn erweckt hat, und wenn jemand nicht glaubt, dann deshalb, weil Gott ihm diese Gnade vorenthalten hat, die zu gewähren er keinerlei Verpflichtung hat. Es gibt streng genommen keinen »self-made-man«; das Höchste, das der Mensch erreichten kann, muss er mit Paulus so ausdrücken: »Ich bin aus Gnaden, was ich bin.« Als Jesus Lazarus aus dem Grab rief, wurde eine große Macht wirksam, die jenem Ruf die totenerweckende Kraft verlieh. Lazarus war sich keiner übernatürlichen Kraft bewusst, die da auf ihn einwirkte, aber als er die Situation begriff, wusste er: die göttliche Macht hatte ihn ins Leben zurückgerufen. Zuerst wirkte die Macht Gottes, dann seine eigene Kraft, und diese eigene Kraft hätte Lazarus niemals ausüben können, wenn nicht die Macht Gottes ihn zuerst dazu befähigt hätte. Auf diese Art wird jede erlöste Seele von geistlichem Tod zu geistlichem Leben gebracht. Genau wie der tote Lazarus zuerst ins Leben zurückgerufen worden war, bevor er geatmet und gegessen hat, so muss auch der geistlich tote Mensch zuerst in einen Zustand geistlichen Lebens versetzt werden, bevor er irgend Glauben und Reue ausüben und gute Werke tun kann. Paulus betonte diesen Punkt besonders, als er sagte, er habe gepflanzt, Apollos habe begossen, doch es sei Gott gewesen, der das Wachstum geschenkt hat. Alle rein menschlichen Versuche erreichen nichts. Soll ein Weizenkorn wachsen, dann kann der Mensch nur äußere Vorkehrungen treffen, quasi die Rahmenbedingungen schaffen. Erst Gott bewirkt das Wunder des Lebens, das aus einer Sphäre göttlicher Macht kommt, die dem menschlichen Einfluss nicht zugänglich ist. Ähnlich hängt es auch nicht von der Eloquenz des Predigers ab, sondern davon, dass Gott die Herzen der Hörer öffnet. Ohne diese Einwirkung Gottes gibt es keine Bekehrung. Hier tut der Mensch nur die äußerlichen Dinge, während es der Heilige Geist ist, wer das Prinzip geistlichen Lebens vermittelt.

Die biblische Lehre vom Sündenfall präsentiert uns einen moralisch völlig defekten Menschen, dem es nicht möglich ist, aus seiner eigenen Natur auch nur eine einzige gute Handlung hervorzubringen. Der bekehrte Christ sieht seine menschliche Unfähigkeit und weiß, dass er in Bezug auf das, was er selbst tut, nicht berechtigt ist, in den Himmel zu gehen; er verdient es einfach nicht. Er versteht und sieht, dass nicht er selbst sich geistlich bewegt, sondern dass er bewegt wird, dass er als Zweig an einem Baum nur Blätter oder Früchte hervorbringen kann, indem er den Saft vom Stamm bekommt, oder wie Calvin gesagt hat:

»Denn keiner macht sich selbst zu einem Schaf, sondern er wird durch die himmlische Gnade dazu gestaltet!«146146     Johannes Calvin, Unterricht in der christlichen Religion, Übersetzung: Otto Weber (nach der letzten Ausgabe von 1559); Neukirchen-Vluyn: foedus-verlag, 2008, 3.22.10.

Die Auserwählten hören das Evangelium und glauben — manchmal nicht beim ersten Hören schon, aber zu dem von Gott festgesetzten Zeitpunkt. Die Nichterwählten hören es auch, glauben aber nicht, nicht weil wie nicht genug zu hören bekämen, sondern weil ihre innere Natur gegen alles spricht, was heilig ist. Der Grund für diese beiden unterschiedlichen Reaktionen liegt außerhalb ihrer selbst. »Ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen. Das Herz aus Stein will ich aus eurer Brust entfernen und euch ein Herz von Fleisch geben« (Ez 36,26). Was die Bibel »Herz« nennt, meint den ganzen inneren Menschen.

Unter den Bedingungen des ewigen Bundes, der zwischen dem Vater und dem Sohn existiert, ist Christus zum vermittelnden Herrscher über die ganze Welt erhöht, damit er das sich entfaltende Königreich leitet. Das ist eine der Belohnungen für seinen Gehorsam und sein Leiden. Seine leitende Macht übt er durch den Heiligen Geist aus, durch den er die Erlösung erkauft hat und durch den sie auf alle kommt, die zu dem dafür bestimmten Ort, zu den bestimmten Bedingungen, zur bestimmten Zeit nach jenem Bund dafür vorgesehen sind. Nicht durch die für Gott »alltägliche« Vorhersicht Gottes kommt der Mensch zum Glauben, sondern durch die gleiche mächtige Kraft, die Gott anwendete, als er Jesus Christus von den Toten auferweckte (Eph 1,19f). So sicher diese Kraft Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, so sicher wirkt sie auch im Menschen, egal, ob es sich um eine physische oder eine geistliche Auferstehung handelt. Die physische und die geistliche Welt sind beides Schöpfungen Gottes. In der physischen Welt hat Jesus Wasser souverän in Wein verwandelt und hat den Aussätzigen geheilt. Der Arminianismus gibt die Wunder in der physischen Welt gerne zu; warum aber verleugnet er sie in der geistlichen Welt, als ob die Geister der Menschen außerhalb Seiner Kontrolle stünden? Wir glauben, dass Gott einen schlechten Menschen in einen guten verwandeln kann, wenn er das will. Dies ist ja nur eine einzige Art der Autorität, die der Schöpfer über seine Kreatur ausübt. Diese Art Autorität ist es auch, mit der er die Welt regiert, und wenn Gott sieht, dass jene Kraft ausreicht, sein Reich zu regieren, wieso sollte er das dann nicht auch tun? Was Gott will, das geschieht auch, ganz wie damals, als er sagte: »Es werde Licht«. So sagt Mozley:

»Die göttliche Erlösungstat ist die Verleihung der unwiderstehlichen Gnade. Der aufgrund göttlicher Prädestination erwählte Mensch wird durch einen Akt absoluter Macht von der Herrschaft der Sünde befreit, ihr entrissen, bekehrt, mit der Liebe Gottes erfüllt und unfehlbar für den Zustand letztgültiger Belohnung qualifiziert.«147147     Mozley, The Augustinian Doctrine of Predestination, S. 8.

So wie das einmal erblindete Auge durch keine noch so hohe Intensität des Lichtes wieder geheilt werden kann, so kann auch die (in Sünden) tote Seele nicht mit noch soviel Licht der Wahrheit des Evangeliums zum Leben erweckt werden, wenn sie damit in Berührung kommt. Das Augenlicht wieder herzustellen bedarf entweder eines operativen Eingriffs oder eines Wunders; ohne den Eingriff oder das Wunder der Erneuerung kann der geistlich Tote kein Evangelium aufnehmen oder verstehen. In der Erneuerung schenkt Gott dem Sünder das Leben, das geistliche Leben. Lydia, die Purpurverkäuferin aus Thyatira schenkte der Botschaft des Paulus Aufmerksamkeit, nachdem Gott ihr zuerst das Herz aufgeschlossen hatte (Apg 16,14). Christus lehrte genau dasselbe in seinem hohepriesterlichem Gebet, als er von sich sagte, Gott habe »ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er allen Menschen das Leben gebe, die Gott ihm gegeben hat« (Joh 17,2). Und wiederum: »Denn wie der Vater die Toten auferweckt und wieder lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will« (Joh 5,21).

Unter dem Bund, den Gott mit Adam gemacht hatte, beruhte das Schicksal des Menschen auf seinen Werken. Wir wissen, wie diese Prüfung ausgegangen ist. Wenn der Mensch schon damals in unschuldigem Zustand sein Heil nicht erringen konnte, um wie viel weniger dann der gefallene Mensch? Aber welch Glück für uns! Gott hat die Sache selbst in die Hand genommen. Gäbe Gott dem Menschen nochmals jenen freien Willen, was täte er anderes, als die ganze fehlgeschlagene Prüfung zu wiederholen? Da Gott eine »Heilszeit« nicht wiederholt, ist klar, dass er die Erlangung des Heils von anderen Dingen abhängig macht. Wenn wieder etwas geschehen muss, den Menschen zu erretten, dann diesmal von Gott aus, nicht vom Menschen aus. Die neue »Heilszeit« ist wie die alte an den Zustand angepasst, in dem sie den Menschen vorfindet.

Wir sind absolut sicher, dass der Mensch nichts tun kann, was ihn der absoluten Kontrolle Gottes entziehen könnte, und zwar egal, ob er sich nun in seinem gefallenen Zustand befindet oder nicht. Saulus wurde am Gipfel eifrigster Verfolgungswut berufen und in den heiligen Paulus umgewandelt. Der arme Dieb am Kreuz wurde in der letzten Lebensstunde zu ewigem Leben berufen. Paulus predigte in Antiochia, und »alle, die zum ewigen Leben bestimmt waren, nahmen den Glauben an« (Apg 13,48). Hätte Gott vor, alle Menschen zu erretten, dann könnte er das ohne Zweifel tun. Aber aus Gründen, die uns nur teilweise genannt werden, belässt er viele in ihrer Unbußfertigkeit. Nichts jedoch, was Gott am Menschen vollbringt, widerstreitet dem natürlichen Menschen als vernünftigem und verantwortlichem Geschöpf.

Einer der größten Mängel des Arminianismus ist die fehlende Einsicht bezüglich der notwendigen und übernatürlichen Einwirkung des Heiligen Geistes auf das Herz des Menschen. Die Wiedergeburt wird im Arminianismus zu einem graduellen Wachstum des geistlichen Menschen, der sich je länger, desto mehr nach dem richtigen Ziel ausstreckt — ein Ergebnis moralischer Überzeugung und der allgemeinen Kraft der Wahrheit. Er besteht auf seinem »freien Willen«148148     Dass der Wille „frei“ ist, bestreitet auch der Calvinismus nicht; es wäre aber für die ganze Diskussion besser gewesen, hätte man nicht vom „freien Willen“, sondern vom „neutralen Willen“ gesprochen, und dass der menschliche Wille alles andere als neutral ist, geht nicht nur klipp und klar aus der Schrift hervor, sondern das ist tägliche Erfahrung für jedermann, der auch nur ein wenig Selbstschau hat (A. d. Ü.). , der »Kraft des Widerstandes (gegen das Evangelium)« etc. und lehrt, dass es letztlich der Mensch ist, der sein Schicksal bestimmt. In seiner gemäßigteren und stimmigeren Version macht er den Menschen noch zum Co-Autor Christi, doch damit teilt er de facto die Ehre der Errettung zwischen Christus und dem Menschen auf.

Wenn der Arminianismus recht hätte, dann versucht Gott ernsthaft, jeden Menschen zu bekehren, muss aber letztlich an dieser großen Aufgabe scheitern, denn unter den Erwachsenen gehen — jedenfalls bis jetzt gesehen — doch etwa 24 von 25 verloren — eine wahrlich fragwürdige Ehrenbezeugung gegenüber Gott. Über die arminianische Lehre, dass nämlich der Mensch Gottes Gnade ablehnen könne, sagt Toplady, dies sei

»eine Lehre, die Gottes Allmacht zu einem bloßen Wünschen und Probieren reduziert, das sein Ziel nicht erreichen kann. Nach dieser Lehre ist Gottes Bestreben (denn mehr als ein Bestreben kann es ja nicht sein), Sünder zu bekehren, oft zum Scheitern verurteilt; er muss den Menschen belagern und sich auf die Lauer legen, sieht sich aber eindeutig in der Position des Verlierers angesichts des ›freien Willens‹, der hoch oben in der Zitadelle menschlichen Ermessens steht. Der Mensch kann (!) Gott  die Flagge des Trotzes entgegenstrecken und seine Hartnäckigkeit und seinen Starrsinn beibehalten; mit ein paar energischen Ausfällen aus der Burg seines ›freien Willens‹ zwingt er Gott höchstens, seine Anstrengungen zu erhöhen. Mit einem Wort: Nachdem der Heilige Geist nach Jahren wiederholter Versuche, den freien Willen des Menschen zu überzeugen, unverrichteter Dinge unehrenvoll abziehen muss wie ein besiegter General; er ähnelt damit einem erfolglosen Politiker, der unehrenvoll entlassen wird, wenn er das Ziel nicht erreicht hat, zu dem er ernannt worden war.«149149     Boettner gibt die Quelle des Zitats nicht an (A. d. Ü.).

Es ist unvernünftig, anzunehmen, dass der Sünder der schöpferischen Kraft des allmächtigen Gottes widerstehen könne. »Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden«, sagt der auferstandene Herr. Diese Macht ist absolut. »Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?« »Nach seinem Wohlgefallen verfährt er mit dem Heer des Himmels und mit den Bewohnern der Erde. Niemand gibt es, der seiner Hand wehren und ihn fragen dürfte: Was machst du da?« (Dan 4,32). Angesichts solcher und ähnlicher Passagen erscheint es uns mehr als fragwürdig, sich Gott als jemanden vorzustellen, der mit dem Menschen nach besten Kräften kämpft:150150     Die heutige Evangeliumsverkündigung (freilich mit Ausnahmen) tut so, als unternähme Gott mit der Verbreitung des Evangeliums eine Art Wahlkampf oder einen Werbefeldzug. Wer immer möchte, kann ihn wählen, doch das ist kein Muss, denn »wer da will, der komme« (Offb. 22,17). Jesus wird zum bloßen Angebot, das man nach Belieben wählen oder ablehnen kann. Diese Art der Verkündigung übersieht aber, dass erst kommt, wen Gott durstig gemacht hat und dass erst will, wen Gott dazu bereitet und dass der Aufruf zum Glauben kein Angebot, sondern eine Aufforderung ist (Apg 17,30!; A. d. Ü.). Er versucht zu überreden, zu überzeugen, zu ermahnen, zu bitten, aber er erreicht sein Ziel nicht, wenn sein Geschöpf nicht will. Wenn Gott nicht wirksam beruft, dann müssen wir uns ihn als jemanden vorstellen, der sagt: »Ich will, dass alle Menschen gerettet werden, aber leider muss ich letztlich sagen: nicht wie ich will, sondern wie sie wollen.« Damit rückt er in die gleiche Extremposition wie Darius, der Daniel gerne erretten wollte, aber nicht konnte (Dan 6,15).

Kein Christ, der mit den biblischen Aussagen über die Souveränität Gottes vertraut ist, kann glauben, dass Gott von seinen Geschöpfen dermaßen in die Schranken verwiesen werden könnte. Es ist gar nicht notwendig, dass der Mensch solche Macht besitzen muss, dem Plan Gottes trotzen oder entgegenwirken zu können, um dafür belohnt oder bestraft werden zu können. Wenn Gott der Majestät des menschlichen Willens wirklich derart unbeholfen gegenüberstünde, dann hätte es wohl wenig Sinn, für jemanden zu bitten, dass Gott ihn bekehren soll! Es wäre uns in jenem Fall besser, unsere Bemühungen auf den Menschen selber zu richten.


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