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Des Christen Gebet. II.

Alle gute Gabe, und alle vollkommene Gabe,

Kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts.

Johann Heermann. 1585-1647.

O Gott, Du frommer Gott,

Du Brunnquell guter Gaben,

Ohn Den nichts ist was ist,

Von Dem wir alles haben:

Gesunden Leib gieb mir,

Und dass in solchem Leib

Ein unverletzte Seel

Und rein Gewissen bleib.

Gieb, dass ich thu mit Fleiss

Was mir zu thun gebühret,

Wozu mich dein Befehl

In meinem Stande führet;

Gieb, das ichs thue bald,

Zu der Zeit da ich soll;

Und wann ichs thu, so gieb

Dass es gerathe wohl.

Hilf, dass ich rede stets

Womit ich kann bestehen;

Lass kein unnützlich Wort

Aus meinem Munde gehen;

Und wenn in meinem Amt

Ich reden soll und muss,

So gieb den Worten Kraft

Und Nachdruck ohn Verdruss.

Findt sich Gefährlichkeit,

So lass mich nicht verzagen;

Gieb einen Heldenmuth,

Das Kreuz hilf selber tragen:

Gieb dass ich meinen Feind

Mit Sanftmuth überwind,

Und wenn ich Rath bedarf,

Auch guten Rath erfind.

Lass mich mit Jedermann

In Fried und Freundschaft leben,

So weit es christlich ist:

Willst Du mir etwas geben

An Reichthum, Gut und Geld,

So gieb auch diess dabei,

Dass von unrechtem Gut

Nichts untermenget sei.

Soll ich auf dieser Welt

Mein Leben höher bringen,

Durch manchen sauren Tritt

Hindurch ins Alter dringen;

So gieb Geduld, vor Sünd

Und Schanden mich bewahr,

Auf dass ich tragen mag

Mit Ehren graues Haar.

Las mich an meinem End

Auf Christi Tod abscheiden;

Die Seele nimm zu Dir

Hinauf zu deinen Freuden;

Dem Leib ein Räumlein gönn

Bei seiner Aeltern Grab,

Auf dass er seine Ruh

An ihrer Seiten hab.

Wenn Du die Todten wirst

An jenem Tag erwecken,

So thu auch deine Hand

Zu meinem Grab ausstrecken:

Lass hören deine Stimm,

Und meinen Leib weck auf;

Und führ ihn schön verklärt

Zum auserwählten Hauf.

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