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9) Die presbyterianische Kirche ist wahrhaftig klar und tolerant

Während die Presbyterianische Kirche die Lehre in hervorragender Weise betont, hat sie von jenen, die ihr beitreten möchten, niemals verlangt, all ihre Normen zu akzeptieren. Ein glaubhaftes Bekenntnis des Glaubens an Christus ist die einzige Bedingung für eine Mitgliedschaft. Von ihren Dienern und Ältesten verlangt sie ein Bekenntnis zum Calvinismus, niemals aber von Laienmitgliedern. Als Calvinisten freuen wir uns über jeden Mitchristen, der auf Christus als seinen Erlösungsgrund vertraut, egal wie inkonsistent sein übriger Glaube sein mag. Wir glauben aber, dass der Calvinismus das einzige Lehrgebäude ist, das die ganze Wahrheit umspannt. Während man Christ sein kann, ohne der ganzen Bibel zu glauben, ist ein solches Christentum doch unproportional und unvollkommen, insoweit man ja an manchen Stellen vom biblischen Lehrsystem abweicht. Dazu hat Prof. F. E. Hamilton sehr schön gesagt:

»Ein blinder Taubstummer kann aufgrund seiner übrigen Sinne freilich einiges von seiner Umwelt wissen, doch ein solches Wissen muss unvollkommen und ungenau bleiben. In gleicher Weise kann ein Christ, der über die tiefsinnigeren Lehren der Bibel in Unkenntnis bleibt, die der Calvinismus verkörpert, sehr wohl ein Christ sein, doch bleibt sein Christsein unvollkommen; es sollte die Aufgabe derer sein, die die ganze Wahrheit kennen, ihn in jenes Warenhaus zu bringen, in dem alle Reichtümer des Christentums untergebracht sind.«281281     Quelle nicht angegeben

Dr. Craig sagte einmal:

»Der Calvinist unterscheidet sich von anderen Christen in seinem Christsein nicht in seiner Qualität, sondern graduell, etwa wie ein mehr oder weniger gutes Exemplar sich von einem mehr oder weniger schlechtem Exemplar unterscheidet.«

Auf dem Wege in den Himmel befinden sich ja freilich nicht nur Calvinisten, doch einmal dort angelangt, werden wir es alle sein. Es ist unsere feste Überzeugung, dass jede erlöste Seele im Himmel durch und durch „calvinistisch“ sein wird. Im Allgemeinen werden die Christen zugeben, dass wenn wir »alle zur Einheit im Glauben gelangen« (Eph 4, 13) und die Vollkommenheit erreichen, wir dann alle entweder Calvinisten oder Arminianer sein werden. Es darf nie vergessen werden, dass der Calvinismus mehrere Merkmale enthält, die ihn vom Arminianismus unterscheiden. Die großen Lehren von der Dreieinigkeit, der Gottheit Christi, der Wunder, der Sühne, der Auferstehung, der Inspiration der Schrift usw. sind das Band, das die evangelische Christenheit umspannt.

Zur Veranschaulichung des klaren und toleranten Wesens der Presbyterianischen Kirche ergreife ich das Vorrecht, einen längeren Abschnitt aus dem bewundernswerten Büchlein „The Creed of Presbyterians“  von Dr. E. W. Smith zu zitieren — das Büchlein erreichte immerhin eine Auflage von 50.000 Stück:

»Die Toleranz des Presbyterianismus, seine Großzügigkeit im Denken und Fühlen, seine Ablehnung jeglicher sektiererischer Engstirnigkeit und Bigotterie — diese Wesenszüge krönen sein Wesen. … Diese Toleranz ist aber kein Zeugnis bloßer Rührseligkeit; sie ist weder Sache einzelner Bekenntnisse oder der Verfassung, sondern wurzelt im Glaubensbekenntnis. Sie ist Teil der Lehraussagen und ist in der Lehre verkörpert. ›Die sichtbare Kirche‹ sagt unser Glaubensbekenntnis, ›besteht aus all denjenigen in aller Welt, die den wahren Glauben bekennen, und aus deren Kindern‹ (WB, Art. 25.2). Daher haben wir seit jeher den Ausdruck ›die‹ Kirche abgelehnt; wir beanspruchen einzig, eine Kirche Jesu Christi genannt zu werden. Unsere Normen denunzieren die Sichtweisen unserer Schwesterkirchen nicht; sie sind sogar die einzigen, die auch andere evangelische Gemeinden als wahre Zweige der Gemeinde Jesu Christi gelten lassen.282282     Book of Church Order, Chap. II, sec. II, par. II. Der ›Gemeinschaft der Heiligen‹ widmet unser Glaubensbekenntnis ein ganzes Kapitel.283283     WB, 26.2 Es heißt dort: ›Die sich als Heilige bekennen, sind verpflichtet, in der Verehrung Gottes und in der Erfüllung jener geistlichen Dienste, die auf ihre gegenseitige Erbauung hinauslaufen, eine heilige Gemeinschaft und brüderlichen Umgang miteinander zu pflegen. Ebenso sind sie verpflichtet, einander in äußeren Dingen ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechend zu helfen. Wenn Gott Gelegenheit dazu gibt, soll diese Gemeinschaft auf all diejenigen ausgedehnt werden, die an allen Orten den Namen des Herrn Jesus anrufen.‹ Die Allgemeinheit unserer Normen findet in der presbyterianischen Haltung gegenüber ihren evangelischen Schwesterkirchen ihren schönsten Ausdruck. Während einige evangelische Gemeinden alle anderen Gemeinden als nicht zur wahren Kirche gehörend ausschließt, ist ein solches Gebaren dem presbyterianischen Empfinden nicht nur verhasst, sondern der ganzen presbyterianischen Praxis fremd. Die Mitglieder und Diener anderer evangelikaler Gemeinden betrachten wir durchaus und in allem Respekt als gleichwertige Mitglieder und Diener der Kirche Christi. … Während einige Gemeinden ablehnen, Fremde am Abendmahl teilnehmen zu lassen, machen wir keinerlei Unterschiede. Wir entlassen Mitglieder gerne auch in baptistische Gemeinden, zu den Episkopalen oder auch in andere christliche Gemeinden, in der gleichen Weise, wie wir Mitglieder aus solchen Gemeinden auch bei uns selbst willkommen heißen. Einige evangelikale Denominationen leugnen die Gültigkeit eines Amtes, das eine Schwesterkirche einem Diener Christi verliehen hat; wenn ein Diener Christi in eine solche Gemeinde wechselt, muss der eine neu ordiniert werden, der andere sogar neu getauft werden. Ein solches Gebaren ist dem presbyterianischen Geist fremd. Wir wiederholen solche Zeremonien nicht, sondern akzeptieren die Gültigkeit eines verliehenen Amtes; sie gilt uns gleich, als hätten wir selbst den Diener ordiniert. Während einige Gemeinden Predigern aus Schwestergemeinden die Kanzel verweigern und ihnen auch die Assistenz bei Zeremonien nicht gestatten, schließen wir niemand von diesen Diensten aus. Ein solches Gebaren ist dem Herzen und dem Verhalten des presbyterianischen Herzen fremd. Wir sind frei, Baptisten, Episkopale und andere evangelische Diener des Wortes zur Verkündigung oder auch zur Assistenz bei Zeremonien wie beim Abendmahl herzlich willkommen zu heißen, genau so wie wir es in unseren eigenen Reihen halten. Wir schließen keinen wahren Christen von der Kirche aus. Wir weisen auch keinen Dienst zurück, und wir lehnen auch nicht die Art und Weise ab, wie andere Gemeinden ihre Zeremonien abhalten. Um Böses mit Gutem zu vergelten, anerkennen wir andere Geistliche durchaus als Diener Christi, und wir nehmen von vorne herein an, dass jemand, der die Taufzeremonie leitet, selbst unter richtigen Umständen getauft worden ist. Dem ›Amen‹ der Methodisten stimmen wir aus vollem Herzen zu; wir singen gerne mit jedermann Psalmen, der Jesus die Krone aufsetzt, und am allerliebsten laden wir jeden Christen, egal welchen Namens und welcher Konfession ein, mit uns am Erinnerungsmahl teilzunehmen, das zurückblickt auf den gebrochenen Leib und das vergossene Blut unseres Herrn. Wir haben keine Vorurteile oder Eigenarten, hier gibt’s keinen Haken welcher Art auch immer, jemandem unsere christliche Sympathie vorzuenthalten oder einen Graben zwischen uns und anderen Dienern unseres Herrn zu setzen. Unsere Allgemeinheit umspannt das gesamte evangelische Christentum.«284284     Smith, The Creed of Presbyterians, S. 189-193.

Er fügt diesen Worten hinzu:

»Die Toleranz der Presbyterianischen Kirche hat jedoch eine Bedingung zur Mitgliedschaft. Sie verlangt von einem Anwärter auf Mitgliedschaft für die Aufnahme nichts als ein Bekenntnis, das nicht im Widerspruch steht mit seinem Leben; ein Bekenntnis, in dem er Jesus Christus seinen Herrn nennt. Er muss nicht Calvinist sein, sondern Christ. Er wird nicht auf seine Rechtgläubigkeit untersucht, sondern nur, ob er ›den Glauben an Christus und den Gehorsam gegen ihn bekennt‹ (WB, 28.4). Seine Ansichten bezüglich der Dreieinigkeit mögen unvollkommen sein, er mag die Kindertaufe infrage stellen, auch die Erwählung und die Bewahrung vor dem Abfall — wenn er Christus als seinem persönlichen Erlöser und Herrn vertraut und gehorcht, dann steht ihm das Tor der Presbyterianischen Kirche offen, und er darf die Privilegien dieser Gemeinschaft mit uns teilen. … Wenn andere Gemeinden andere Bedingungen für eine Mitgliedschaft stellen als die des Errettetseins, dann machen sie sich schuldig, den Menschen den Zugang zur Kirche schwerer zu machen als den Eingang in das Himmelreich. Einer solchen ekklesialen Zwangsherrschaft und Exklusivität verschließt sich die Presbyterianische Kirche von vornherein; sie steht geradezu in äußerstem Kontrast dazu. Ihre Normen verlangen den einfachen Glauben an Christus, der uns als Gottes Familie kennzeichnet; ›jene also, die ein Bekenntnis des Glaubens an Christus abgelegt haben, haben auch Anspruch auf alle Privilegien, die die Kirche gewährt‹(Ch. Order, III, 3). Mit dieser deutlichen und schönen Geste der Allgemeinheit sind die Tore unseres presbyterianischen Zion allen Kindern Gottes so weit geöffnet wie die Tore des Himmels selbst.«285285     Ebd., S. 199f.

Nachdem Dr. Smith erklärt hat, dass Presbyterianer und Reformierte die größte Familie der protestantischen Welt ausmachen, stellt er wortgewandt die missionarischen Errungenschaften dieser Familie ins Licht:

»Noch umfassender und stattlicher als die Mitgliederzahl ist die weltweite Größe des presbyterianischen Reiches. Während die Mitglieder der anderen protestantischen Gemeinschaft mehr oder weniger in einzelnen Ländern konzentriert sind — etwa die Lutheraner Deutschlandes, die Episkopalisten Englandes, die Methodisten und Baptisten der Vereinigen Staaten —, umgreift die Presbyteriansichen Kirche Länder aus aller Welt. In diesem Moment dehnt sich ihr Erfolg in allen Kontinenten aus: Sie erreicht mehr Nationen, Völker und Sprachen als jede andere evangelische Gemeinschaft der Welt. Die europäischen Zeugen dafür sind die reformierten Kirchen Österreichs, Böhmens, Mährens, Galiziens, Ungarns, Belgiens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Griechenlands, Hollands, Russlands, Spaniens und die reformierte Kirche in der Schweiz. Sie ist auch in Afrika fruchtbar verwurzelt, in Australien, Asien, Großbritannien, in Nordamerika, Südamerika, im Westen Indiens, in Neuseeland und in Melanesien — das Volk dieses Glaubens umspannt die ganze Erde. Der Presbyterianismus verfügt über eine Anpassungskraft, der keine andere Glaubensgemeinschaft Gleichwertiges entgegenbringen kann. Sie hat reichlich Missionare, Evangelisten, Herausgeber, Autoren, Erzieher und Politiker hervorgebracht; aus ihrem reichen geistlichen Leben strömen mächtige Kräfte christlicher Missionstätigkeit aus aller Herren Länder.«286286     Ebd., S. 211.


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