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3) Nur der Calvinismus stimmt mit der modernen Naturwissenschaft und der Philosophie überein

Die calvinistische Welt- und Lebensanschauung, die die Betonung auf den feststehenden und gewissen Verlauf der geschichtlichen Ereignisse legt, steht in frappanter Übereinstimmung mit der modernen Wissenschaft und Philosophie. Wie grotesk ist doch die Behauptung, dass die Prädestinationslehre von Erkenntnissen außerhalb der Schrift ganz klar widerlegt werde, unbeschadet der Tatsache, wie klar die Schrift sie lehrt! Dieser Anspruch wird freilich von vielen erhoben, die ein ganz anderes theologischen Lehrgebäude errichten wollen. Aber jeder, der einigermaßen mit der Wissenschaft und der Philosophie mit ihrer Betonung auf universell feststehenden Gesetzen vertraut ist (etwa mit der physiologischen Psychologie), weiß um die Unsinnigkeit einer solchen Behauptung. Man denke nur an die Verhaltensforschung (Behaviorismus), an die Determination und die Vererbungslehre: Was sind die Mendelschen Gesetze anderes als Prädestination im Bereich der Gene? Diese Tendenz läuft Zufall und Kontingenz schwer zuwider. Das Universum wird als ein systematisches Ganzes gedacht, in dem alles voneinander abhängt und das einem sehr festgelegten und vorgefassten Plan folgt. Mit einer etwas anderen Nomenklatur und Vorstellung vom Übernatürlichen stimmt die moderne Wissenschaft und Philosophie mit der calvinistischen Anschauung in Bezug auf die Einheit der Welt großteils überein. Wissenschaft und Philosophie mögen zwar Gottes Freiheit und Personalität leugnen; ihre metaphysische Anschauungsweise mag radikal anders sein als die wahre Lehre von Gottes Vorsehung und Gnade; sie mögen immerhin geistige Prozesse auf physische Gegebenheiten zurückführen: Ihre Ansicht über die Ordnung der Lebenstatsachen in der Natur ist durch und durch »calvinistisch«. Ohne Vertrauen in Einheit, Stabilität und Ordnung der Dinge, wie sie sich uns in der Prädestinationslehre zeigt, wäre es der Wissenschaft völlig unmöglich, mehr als nur Vermutungen anzustellen. Die Wissenschaft basiert auf dem Zusammenhang des Universums. Sie teilt unsere Überzeugung, dass das ganze Leben unter dem Einfluss mächtiger Gesetze oder Prinzipien steht, die eine außerweltliche Kraft oder ein Schöpfer kreiert hat. Je mehr wir aus der Wissenschaft lernen, desto klarer wird, welche Einheit allem zugrunde liegt. Auch beim Übergang zur Geschichtsbetrachtung finden wir diese »Kette von Ereignissen«.

So wie jedes Sandkorn mit jedem Stern zusammenhängt, so hat auch jedes Ereignis seinen notwendigen Platz in der sich entfaltenden Geschichte. Wir erinnern uns alle einiger vergleichsweise unbedeutenden Ereignisse unseres Lebens, die aber unseren Lebenslauf entscheidend beeinflusst haben — hätten sie nicht stattgefunden, wäre unser Leben anders verlaufen. Oft ist es nur etwas Kleines, was den Lauf der Geschichte erschüttern kann. Denken wir zum Beispiel an 1914, als ein serbischer Verschwörer den Erzherzog von Österreich erschoss. Der Erste Weltkrieg war die Folge.

Verständlicherweise schrecken viele Menschen davor zurück, die freien Handlungen von Menschen und Engeln — speziell ihre sündigen Handlungen — der Vorherbestimmung Gottes zuzuschreiben.

Die Konvergenz von Wissenschaft, Philosophie, Geschichte und Heiliger Schrift darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. In der Wissenschaft, der Philosophie und der Geschichte fristet die Prädestinationslehre ein reduziertes Dasein als kalte, unpersönliche Macht. Aber im strahlenden Licht des Evangeliums zeigt sich: Wahl der Rasse, individuelle Erwählung und göttliche Berufung hängen von der souveränen Gnade Gottes ab, nicht von seinem »ethischen Wunsch«. Wir sehen, dass Gottes ewige Absicht dem Menschen entgegenkommt, nicht sich von ihm entfernt — das Herz findet Ruhe und Trost in der Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit, die so zart sind wie seine Pläne stark sind.

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