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5) Weitere Anmerkungen

Im gegenwärtigen Zustand der Menschheit steht der Mensch vor Gott nicht wie ein Bürger vor dem Staat, wo jeder gleich behandelt werden muss und jedem die gleiche »Chance« eingeräumt werden muss, sondern hier steht der Mensch als schuldiger und verurteilter Verbrecher vor einem gerechten Richter. Niemand hat Anspruch auf Errettung. Das Wunder ist nicht, dass Gott nicht alle errettet, sondern dass er so viele aus dieser schuldbeladenen Masse begnadigt. Die Antwort auf die Frage, weshalb Gott nicht alle errettet, wird nicht in der arminianischen Antwort gefunden, derzufolge von Allmacht der Gnade keine Rede sein kann, sondern in der Tatsache, dass »Gottes Liebe so viele Menschen aus dieser schuldigen Rasse begnadigt, wie es seiner ganzen Natur zu retten entspricht.«232232     Warfield, The Plan of Salvation, S. 93.

Aus Gründen, die nur Ihm einsichtig sind, sieht er, dass es das Beste ist, nicht alle zu begnadigen, sondern einigen zu erlauben, ihrer eigenen Wege zu gehen und sie ihrem ewigen Schicksal der Strafe zu überlassen, damit offenbar werden, welch abscheuliches Gräuel die Sünde und die Rebellion gegen Gott ist.

Wieder und wieder versichert die Schrift, dass die Errettung allein aus Gnade geschieht, so als erwarte sie schon die Schwierigkeiten, die die Menschen haben werden, wenn zutage tritt, dass sie diese Gnade nicht von sich aus erlangen können. Auf diese Weise soll die weit verbreitete Ansicht zerstört werden, als schulde Gott irgend jemandem die Erlösung. »Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, — nicht euer Verdienst ist es, sondern Gottes Geschenk —, nicht auf Grund von Werken, damit niemand sich rühmen kann« (Eph 2,8f.). »Ist es aber aus Gnade geschehen, so nicht mehr infolge von Werken. Sonst wäre ja die Gnade nicht mehr Gnade« (Röm 11,6). »Durch Gesetzeswerke wird kein Mensch vor ihm gerechtfertigt« (Röm 3,20). »Wer Werke vollbringt, dem wird der Lohn nicht aus Gnade, sondern nach Verdienst angerechnet« (Röm 4,4). »Denn wer gibt dir einen Vorzug? Was hast du, das du nicht empfangen hättest? Hast du es aber empfangen, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?« (1 Kor 4,7). »Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin« (1 Kor 15,10). »Wer hat ihm vorher gegeben, so dass es ihm wiedervergolten werden müßte?« (Röm 11,35). »Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, das Gnadengeschenk Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn« (Röm 6,23).

Gnade und Werke schließen einander aus: Genauso gut könnten wir die beiden Pole unseres Planeten zusammenbringen. Wir könnten genauso gut von einem »bezahlten Geschenk« sprechen, wenn wir von einer »bedingten Gnade« sprächen, denn wenn die Gnade nicht absolut wäre, wäre sie nicht Gnade. Wenn die Schrift daher davon spricht, dass die Erlösung ganz aus Gnaden ist, dann haben wir das so zu verstehen, dass dieser ganze Prozess allein Gottes Wirken zugeschrieben werden muss und dass alle guten Werke des Menschen, die diesen Namen verdienen, schon Resultat der Erneuerung sind, die all diesen Werken vorausgeht.

Der Arminianismus macht den vollkommenen Gnadencharakter der Erlösung zunichte und ersetzt ihn durch ein System von Gnade plus Werk. Ganz gleich, wie klein auch der Anteil der Werke sein mag — er ist notwendig da und noch dazu die Basis, wer letztlich gerettet und verloren wird. Die Geretteten haben hier Grund, sich gegenüber den Verlorenen zu brüsten, denn alle haben hier ja die »gleiche Chance« gehabt. Paulus sagt aber, dass jegliches Rühmen ausgeschlossen sei und der, der sich brüsten will, sich des Herrn rühmen soll (Röm 3,27; 1 Kor 1,31). Aus Gnaden erlöst, erinnert sich der Gerettete des Morastes, aus dem er herausgezogen worden ist, und seine Haltung gegenüber dem Verlorenen ist die von Sympathie und Mitleid. Er weiß: hätte es Gottes Gnade nicht gefallen, befände er sich in genau dem selben Zustand wie der Verlorene, und er wird singen: »Nicht unserm Namen, Herr, gib Ehre, sondern Deinem Namen allein, um Deiner Barmherzigkeit und Wahrheit willen.«


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