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1) Was verdient der Mensch?

Die Bibel erklärt die Erlösung sündiger Menschen zur Gnadensache. Aus Eph 1,7—10 wissen wir, dass die erste Absicht Gottes war, die Größe und Herrlichkeit seiner Gnade durch das Werk der Erlösung herauszustellen. In den nachfolgenden Zeitaltern sollten alle intelligenten Geschöpfe des Universums diese Gnade bewundern, die einzig aus seiner unverdienten Liebe und seiner grenzen- losen Güte gegenüber schuldigen, wert und hilflosen Geschöpfen erwächst. Alle Menschen werden als in einen Zustand von Sünde und Elend geschildert, der es ihnen nicht erlaubt, sich selbst zu erlösen. Obgleich sie nichts als Gottes Zorn und Fluch verdient haben, hat er doch vorherbestimmt, dass er eine Gnadenerlösung schaffen wird, indem er seinen eigenen, ewigen Sohn sendet, der deren Natur und Schuld auf sich nimmt und an ihrer Statt die Strafe auf sich nimmt. Er wird seinen Heiligen Geist senden, um den Menschen zu erneuern und ihm die Erlösung durch Christus einzustiften. Nach dem gleichen Prinzip, nach dem Adams Sünde zur unseren geworden ist, (das heißt, auf eine Weise uns zugerechnet wird, dass wir hier für diese Sünde voll verantwortlich sind und die Konsequenzen daraus ziehen müssen) ist sie auch Christus zugerechnet worden, ist uns aber auch Seine Gerechtigkeit angerechnet worden. Die wird kurz, aber prägnant im Kleineren Katechismus beschrieben:

»Die Rechtfertigung ist ein Akt der freien Gnade Gottes, worin er uns alle Sünden vergibt und uns ansieht, als seien wir gerecht, weil uns die Gerechtigkeit Christi angerechnet wird. Diese Gerechtigkeit kann nur durch den Glauben erlangt werden« (Frage 88).

Wir dürfen hier nicht den Unterschied zwischen den beiden Bündnissen aus dem Blick verlieren: den Bund der Werke, der Adam aufgegeben war und der mit dem Sündenfall endete, und den Bund der Gnade, unter welchem Christus als Erlöser gesandt war. Wie schon in anderem Zusammenhang gesagt worden ist, macht der Arminianismus im Prinzip keinen wesentlichen Unterschied zwischen dem Werkbund und dem Gnadenbund, außer dass Gott die Erlösung nun zu leichteren Bedingungen anbietet und statt vollkommenen Gehorsam zu verlangen; er fordert jetzt nur mehr jenen Glauben und Gehorsam, den der verkrüppelte Sünder zu geben in der Lage ist. In diesem System bleibt die Last des Gehorsams auf dem Menschen liegen, und seine Erlösung ist in erster Linie eine Frage seiner eigenen Werke. Das Wort »Gnade« meint aber in seinem eigentlichen Sinn die freie und unverdiente Liebe oder das Vorrecht, die Gott denen zuwendet, die dies nicht verdient haben, nämlich sündigen Menschen. Die Gnade wird ungefragt eines Wertes verliehen, der etwa im Menschen steckt; hier menschliches Handeln oder Verdienst hineinzumischen verdürbe die Natur der Gnade und machte den Entwurf derselben zunichte. Gerade weil sie Gnade ist, wird sie nicht auf voraufgehendes Verdienst hin verliehen. Der Name bedeutet notwendigerweise Unentgeltlichkeit, und da sich der Mensch in einem sündigen Totalzustand befindet, bis sie ihm gewährt wird, ist alles, was er verdient, Strafe, nicht Gaben oder Vorrechte. Was immer im Menschen gut ist, ist schon Gottes Gabe, und wenn das Gute fehlt, dann deshalb, weil Gott es vorenthält. Da die Gnade keinerlei voraufgehendes Verdienst berücksichtigt, ist sie souverän und wird nur denen gewährt, die Gott eigens dafür ausgewählt hat. Es ist die unumschränkte Gnade allein, nicht das Vorauswissen menschlicher Entscheidungen, was den Menschen in Gottes Hände spielt und was die Erlösung aus unbegrenzter Barmherzigkeit gewährt. Nur darin kann die Basis für Erwählung und Verwerfung Einzelner gefunden werden.

Wegen seiner Vollkommenheit verlangt Gott solche Heiligkeit auch von seinen Geschöpfen: absoluten Gehorsam sollen sie ihm entgegenbringen. Diese Vollkommenheit hat Christus in seiner unbefleckten Gerechtigkeit errungen, und diese Vollkommenheit wird den Erwählten zugerechnet. Wenn Gott seine Erwählten ansieht, sieht er sie mit dem makellosen Gewand der Gerechtigkeit Christi bekleidet, nicht mit ihrem eigenen. Es wird ausdrücklich gesagt, Christus habe ein stell- vertretendes Leiden gelitten, »der Gerechte für die Ungerechten«; wenn der Mensch ermutigt wird zu denken, dass er bis zu einem gewissen Grad aus eigener Kraft oder aus eigener Kunst zu dieser Gnade beitragen könne, dann wird Gott eines Teiles seiner Herrlichkeit beraubt! Alle Einbildungskraft reicht nicht aus, sich irgend ein Gutes im Menschen zu denken, das auch nur hinlänglich das ewige Leben verdiente. Benjamin Franklin, obgleich selbst alles andere als ein Calvinist, hat dies sehr gut ausgedrückt, wenn er sagt: »Jemand, der einem Durstigen ein Glas Wasser reicht und dafür eine ganze Plantage erwartet, bliebe in seiner Erwartung noch bescheiden verglichen mit denen, die meinen, für das wenige Gute, das sie in ihrem Leben tun, den Himmel zu verdienen.« Wir sind in der Tat nichts als Beschenkte; wir können Gott niemals zurückzahlen, sondern bekommen immer nur von ihm, und das wird sich in alle Ewigkeit nicht ändern.

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