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7) Der Ausschluss der Nichterwählten

Keine generelle und unterschiedslose Liebe also, die alle Menschen gleich behandelte, sondern eine seltsame, geheimnisvolle und unendliche Liebe für seine Erwählten bewegte Gott, seinen Sohn in die Welt zu senden, um zu leiden und zu sterben. Jede Theorie, die diese großartige und kostbare Wahrheit leugnet und diese Liebe zur generellen Philantropie oder zum allgemeinen Wohlwollen der gesamten Menschheit gegenüber erklärt, von der doch ein großer Teil verlorengeht, muss unbiblisch sein. Christus starb nicht für eine ungeordnete Masse, sondern für sein Volk, für seine Braut, für seine Gemeinde.

Ein Farmer schätzt sein Feld. Aber niemand wird annehmen, er habe dabei jede einzelne Pflanze im Blick und sorge dafür, dass auch das Unkraut schön wachsen kann. Gottes Feld ist die Welt (Mt 13,38) und er liebt diese Welt mit dem Blick auf den »guten Samen«, die Kinder des Königreichs, nicht aber mit Blick auf die Kinder des Bösen. Nicht die ganze Menschheit also ist gleichermaßen von Gott geliebt, und er hat nicht den ganzen Wirrwarr der Menschheit durch Christus erlöst. Gottes Güte teilt sich nicht notwendig mit so wie die Sonne ihr Licht spendet oder wie ein Baum, der die Dinge nicht auswählt, die er beschattet, sondern seinen Schatten notwendig über alles erstreckt, was er beschattet. Gott würde zu einem Gott gemacht, der in dieser Hinsicht nicht mehr Verstand hat als die Sonne, die nicht scheint, wohin es ihr gefällt, sondern wohin sie scheinen muss. Er ist eine Person höchsten Verstandes und hat das souveräne Recht, auszuwählen, wen oder was er will.

Im ersten Buch Mose lesen wir, dass Gott »Feindschaft gesetzt« hat zwischen dem Nachkommen der Frau und den Nachkommen der Schlange. Wer ist denn nun dieser »Same« der Frau und jener der Schlange? Man könnte auf den Gedanken kommen, der »Same« der Frau müsse ja die ganze Menschheit sein, da ja die ganze Menschheit von Eva stammt. Aber in Gal. 3,16 bezieht Paulus den Ausdruck »Samen« allein auf Christus! »Es heißt nicht: ›Den Nachkommen‹, also Mehrzahl, sondern Einzahl: ›Deinem Nachkommen‹, das ist Christus.« Bei genauerer Betrachtung sehen wir, dass der »Same« des Teufels nicht etwa eigene Nachkommen meint, sondern jene Menschen, die nicht erwählt sind und die an seiner sündigen Natur teilhaben. Jesus sagte von seinen Feinden: »Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach den Begierden eures Vaters wollt ihr handeln« (Joh 8,44). Paulus nannte Elymas, den Zauberer, einen Sohn des Teufels und Feind aller Gerechtigkeit. Judas wird sogar »Teufel« genannt (Joh 6,70). Beides also, sowohl der Same der Frau als auch der Same der Schlange sind jeweils Teile der Menschheit. Wir finden in der Heiligen Schrift, dass Jesus und sein Volk »Eins« genannt werden, dass er in ihnen wohnt und mit ihnen verbunden ist wie die Reben mit dem Weinstock. Da Gott diese Feindschaft zwischen den beiden Teilen der Menschheit schon von Beginn an verursacht hat, ist es klar, dass er niemals alle gleich geliebt hat oder vorhatte, alle gleichermaßen zu erlösen. Eine Erlösung aller Menschen und Gottes Fluch über die Schlange gehen nicht zusammen.

Man beachte auch die Parallele zwischen dem alttestamentlichen Hohenpriester Israels und unserem Hohenpriester Christus: Der alttestamentliche Hohepriester ist nur der Typus Christi, nur Abbild also. Am großen Versöhnungstag opferte der Hohepriester für die Sünden der zwölf Stämme Israels. Für sie allein trat er ein. Genauso bat Christi nicht für die Welt, sondern für sein Volk. Das Eintreten des Hohenpriesters erlangte Segnungen für Israel, von denen alle anderen Völker ausgeschlossen blieben; das Eintreten Christi, das ebenso einer Einschränkung unterliegt, ist, wenngleich ungleich höherer Natur, mit letzter Sicherheit vollwirksam, denn ihn erhört der Vater immer. Man kann Gottes Gnade nicht nur dann unendlich nennen, wenn sie sich über alle Menschen unterschiedslos erstreckte, denn alle Menschen zusammengenommen stellen ja auch keine unendliche Schar dar. Die Schrift sagt ganz klar, dass der Teufel und die gefallenen Engel von den Segnungen ausgeschlossen bleiben. Aber Seine Gnade ist unendlich darin, dass er eine riesige Schar von Erwählten aus unbeschreiblicher Sünde und ewigem Elend zu unbeschreiblichem und ewigem Segen erlöst hat.

Der Arminianismus ist der Ansicht, dass Christus für alle Menschen starb. Er hat auch genügend Gnade erworben, um alle Menschen zur Umkehr, zum Glauben und zum Beharren zu bewegen, wenn sie nur dazu beitragen. Er ist weiter der Ansicht, dass jene, die das Angebot ablehnen, für diese Ablehnung wesentlich schwerer büßen müssen, als wenn Christus gar nicht für sie gestorben wäre. Wie man aber weiß, wenn man die Geschichte der Menschheit betrachtet, so hat die große Mehrzahl der Erwachsenen das Gnadenangebot abgelehnt und hat durch diese Ablehnung noch größeres Elend über sich gebracht, als wenn Christus nie erschienen wäre. Eine Ansicht, die Gottes Werk in lauter Fehlversuche münden lässt und der Sühne Christi einen dermaßen geringen Wert beimisst, kann ganz sicher nicht der Wahrheit entsprechen. Gottes Liebe und Gnade haben im Calvinismus mit seiner Lehre von unbedingter Erwählung und begrenzter Sühne wesentlich größere Bedeutung für Sein Volk als in der arminianischen Lehre der bedingten Erwählung und unbegrenzten Sühne.

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