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8) Eine erlöste Welt

Da die ganze Menschheit in Adam gefallen ist, war es auch die ganze Welt oder Menschheit, die Christus erlöst hat. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Einzelne gerettet wird, sondern dass die Menschheit als Rasse erlöst wird. Jahwe ist kein einfacher Stammesgott, sondern »der Gott der ganzen Erde«; die Erlösung, die er im Auge hatte, darf nicht auf eine kleine Auswahl beschränkt werden. Das Evangelium war nicht einfach die gute Lokalnachricht für ein paar Einwohner Palästinas, sondern frohe Botschaft an die ganze Welt, und das ganze Zeugnis der Schrift sagt ausreichend, dass das Königreich Gottes die ganze Erde erfüllt: »Seine Herrschaft wird reichen von Meer zu Meer, vom Euphrat bis zu den Enden der Erde« (Sach 9,10). Schon früh im Alten Testament haben wir das Versprechen, dass »die ganze Erde von der Herrlichkeit des Herrn erfüllt werden soll« (4 Mo 14,21). Jesaja wiederholt das Versprechen, dass alle Menschen die Herrlichkeit des Herrn sehen sollen (Jes 40,5116116     »Denn offenbar wird des Herrn Glanz. Alles Fleisch zumal wird ihn schauen. Denn der Mund des Herrn hat es versprochen.« ). Israel wurde zum »Licht für die Nationen« gesetzt und »zum Licht für die Heiden, dass du Mittler meines Heils seist bis ans Ende der Erde« (Jes 49,6; Apg 13,47). Joel hat klar gemacht, dass in den kommenden und gesegneten Tagen der Geist, der über Israel »ausgegossen« worden war, nun über die ganze Erde kommen werde. »Ausgießen werde ich danach meinen Geist über alles Fleisch« (Joel 3,1). Petrus deutete diese Prophezeiung von der Ausgießung auf den Anfang zu Pfingsten (Apg 2,16).

Hesekiel malt uns ein Bild zunehmender Heilungsströme, die unter dem Tempel hervorquellen: Wasser, das zuerst nur bis zu den Knöcheln, dann bis zu den Knien, hernach bis zu den Lenden in einen großen Strom anwachsen, den man nicht mehr durchschreiten kann (Ez 47,1—5). Die Interpretation Daniels vom Traum Nebukadnezars lehrt uns dieselbe Wahrheit. Der König sah ein großes Standbild, mit Teilen aus Gold, Silber, Bronze, Eisen und Ton. Dann sah er einen Stein, der ohne Zutun von Menschenhand losgelöst worden war und der das Standbild zertrümmerte, so dass die einzelnen Teile weggefegt wurden wie die Spreu vom Weizen auf der Tenne, wenn der Sommerwind hineinfährt. Die einzelnen Teile, die die Weltreiche symbolisieren, werden hier als zerblasen beschrieben, während der Stein zu einem großen Berg wird, der die ganze Erde erfüllt. »In der Zeit jener Könige wird der Gott des Himmels ein Reich erstehen lassen, das nicht zerstört wird bis in Ewigkeit. Seine Herrschaft wird nicht übergehen auf ein anderes Volk. Es wird alle jene Reiche zertrümmern und vernichten, selbst aber ewigen Bestand haben« (Dan 2,44). Aus dem Neuen Testament ersehen wir, dass eben dies das Königreich war, das Christus aufgerichtet hatte. In der Vision Daniels kämpfte die Bestie gegen die Heiligen und behielt eine Zeitlang den Sieg über sie, aber nur bis »die Zeit anbrach, wo die Heiligen die Herrschaft in Besitz nahmen« (Dan 7,22).

Jeremia gibt das Versprechen, dass die Zeit kommen wird, dass nicht mehr einer den anderen auffordern wird: »erkenne den Herrn«, »weil alle mich kennen werden vom Kleinsten zum Größten« (Jer 31,34). »Richte den Wunsch an mich, und zum Erbe gebe ich dir die Völker, zum eigenen Besitz die Enden der Erde«, sagt der Psalmist (Ps 2,8). Das letzte Buch des Alten Testamentes erwähnt das Versprechen, dass »vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang … mein Name groß sein (wird) unter den Völkern, und überall wird meinem Namen geopfert und ein reines Speiseopfer dargebracht. Denn groß wird mein Name sein unter den Völkern« (Mal 1,11).

Im Neuen Testament finden wir die gleiche Ansicht: Wenn der Herr zuletzt seinen geistlichen Segen über sein Volk ausschüttet, »dann sollen die übrigen Menschen den Herrn suchen, alle Völker, über die mein Name ausgerufen wird. So spricht der Herr, der dieses wirkt.« »Er ist die Versöhnung für unsere Sünden, doch nicht nur für unsere, sondern auch für die der ganzen Welt« (1. Joh 2,2). »Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht dazu in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde« (Joh 3,16f). »Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn als Retter der Welt gesandt hat« (1. Joh 4,14). »Das ist das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt!« (Joh 1,29). »Wir haben selbst gehört und wissen: Dieser ist wahrhaftig der Erlöser der Welt« (Joh 4,42). »Ich bin das Licht der Welt« (Joh 8,12). »Denn ich bin nicht gekommen, die Welt zu richten, sondern die Welt zu retten« (Joh 12,47). »Ich aber werde, wenn ich von der Erde erhöht bin, alle an mich ziehen« (Joh 12,32). »Denn Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt; er rechnet ihr die Sünden nicht mehr an und hat uns das Wort der Versöhnung übertragen« (2 Kor 5,19). Vom Königreich der Himmel heißt es, es gleiche »dem Sauerteig, den eine Frau unter drei Maß Mehl mengte, bis das Ganze durchsäuert war« (Mt 13,33).

Im elften Kapitel des Römerbriefs lesen wir, dass die Annahme des Evangeliums durch die Juden auf die Welt geistlich wirken wird wie »Leben aus dem Tod«. Durch ihren Fall ist das Evangelium zu den Nationen gekommen — »Wenn aber schon ihr Fehltritt Reichtum für die Welt bedeutet und ihr Versagen Reichtum für die Heiden, wie viel mehr dann ihre Vollzahl! … Denn wenn schon ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt bedeutet, was wird dann ihre Aufnahme anderes bedeuten als Leben aus den Toten?« Die vollkommene Herrschaft Christi wird erneut erwähnt, wenn es heißt, er sitzt zur Rechten des Vaters, bis dieser ihm alle Feinde unter seine Füße getan haben wird. So wird der umfassenden Größe des Erlösungswerks Christi große Bedeutung beigemessen. Wir warten darauf, dass diese Welt christianisiert wird. Da uns aber nicht mitgeteilt wird, wie lange die Erde nach Erreichung dieses Zieles noch bestehen wird, sehen wir vielleicht einem »goldenen Zeitalter« geistlichen Erfolges entgegen, das über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende andauern wird und in dem das Christentum in der ganzen Welt vorherrschend sein wird; die große Mehrzahl der Erwachsenen wird dann errettet werden. Es scheint, dass erst dann die Anzahl derer, die gerettet werden, jene bei weitem übertreffen wird, die verlorengehen.

Freilich können wir keinesfalls irgend ein Datum für das Ende der Welt annehmen. An verschiedenen Orten sagt uns die Schrift, dass Christus am Ende dieser Weltordnung kommen wird, dass sein Erscheinen persönlich, sichtbar und mit großer Macht und Herrlichkeit stattfinden wird; die allgemeine Auferstehung und das jüngste Gericht werden dann stattfinden und Himmel und Hölle zu eigentlichem Sein gelangen. Aber eines wird ganz genau offenbart: dass die Zeit, wann unser Herr kommen wird, »den geheimen Dingen angehört, die der Herr alleine weiß.« »Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.« Das sagte Jesus vor seiner Kreuzigung, und nach der Auferstehung sagte er: »Euch kommt es nicht zu, Zeit und Stunde zu kennen, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat« (Apg 1,7). Daher ist es nichts als pure Ignoranz, wenn uns irgend ein Datum oder eine Zeit vor Augen gestellt wird, die das Ende der Welt bezeichnen wollen. Angesichts der Tatsache, dass seit Jesu erstem Erscheinen auf der Erde schon 2000 Jahre vergangen sind, kann es gut sein, dass es noch einmal 2000 Jahre dauern wird, bis er wiederkommen wird — vielleicht auch viel länger, aber vielleicht kommt er auch schon sehr bald.

Dr. S. G. Craig hat zu diesem Thema trefflich gesagt:

»Es heißt, dass gewisse Ereignisse wie die Predigt des Evangeliums an alle Nationen (Mt 24,14), die Bekehrung der Juden (Röm 11,25ff.), der Umsturz aller anderen Herrschaft, Macht und Kraft und aller seiner Feinde (1 Kor 15,24) noch geschehen müssen, bevor der Herr wiederkommt. So scheint klar zu sein: Während die Zeit der Wiederkunft unseres Herrn unbekannt bleibt, dürfte sie doch noch einige Zeit in der Zukunft liegen. Nur wie weit in der Zukunft, das weiß niemand. Kein Zweifel: wenn die Ereignisse zukünftig ebenso träge dahin tröpfeln wie in der Vergangenheit, dürfte die Wiederkunft noch weit in der Zukunft liegen. Jetzt aber, wo die Zeit schneller zu rasen scheint als in der Vergangenheit, jetzt, wo das, was in der Vergangenheit Jahrhunderte gedauert hat, in wenigen Jahren erreicht wird, kann es sehr leicht sein, dass wir der Wiederkunft Christi sehr bald ins Auge sehen dürfen. Ob man, gemessen an menschlicher Lebenszeit, von kurz‘ oder lang‘ spricht — für Gott ist es eine sehr kurze Zeit, für den doch tausend Jahre sind wie ein einziger Tag. Angesichts heutiger Verhältnisse allerdings weist nichts in der Schrift darauf hin, dass die jetzige Generation die Wiederkunft Jesu noch erleben wird.«117117     Samuel G. Craig, Jesus as He Was and Is, S. 276.

Vielleicht ist die Welt noch jung. Gewiss: Gott hat nirgends offenbart, was er mit einer Welt tun kann, die völlig zur Gerechtigkeit bekehrt worden ist. Was wir bis jetzt gesehen haben, scheint nur eine Art Vorspiel zu sein, ein zeitlicher Triumph des Teufels, dessen Werk vor seiner Zerstörung steht. Gottes Werk umfasst die Jahrhunderte. Auch Jahrtausende bedeuten bei dem nicht viel, der ewig ist. Wenn wir unsere Theologie mit unserer Astronomie in Verbindung bringen, dann sehen wir, welches Ausmaß das Werk Gottes hat. Er hat Millionen, vielleicht Milliarden leuchtender Sonnen ins Weltall gestellt — etwa zehn Millionen davon sind sogar schon katalogisiert. Die Astronomen sagen uns zum Beispiel, dass die Erde 149,5 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt ist und das Licht mit einer Geschwindigkeit von ca. 300.000 Kilometer in der Sekunde nur etwa acht Minuten braucht, um diese Entfernung zu überwinden. Sie sagen uns, dass der nächste Fixstern so weit von uns entfernt ist, dass sein Licht etwa vier Jahre braucht, uns zu erreichen; das Licht eines der am weitesten entfernten Sterne muss schon Millionen von Jahren zu uns unterwegs sein. Was die moderne Wissenschaft entdeckt hat, lehrt uns, dass die Zeit, in der der Mensch auf Erden lebt, vergleichsweise unbedeutend ist. Vielleicht hat Gott Entwicklungen mit dem Menschen vor, die äußerst spannend sind — Entwicklungen, von denen wir uns nicht träumen lassen.


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