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2) Schriftbeweise

Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Finden wir diese Lehre irgendwo in der Schrift? Gehen wir in den Epheserbrief. Dort lesen wir: » … wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos seien vor ihm. In Liebe hat er uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens« (Eph 1,4f.). In Röm 8,29f. lesen wir von der goldene Kette der Erlösung, die sich von der ewigen Vergangenheit bis in die ewige Zukunft erstreckt: »Denn die er vorher ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.« Vorher ersehen, berufen, gerechtfertigt, verherrlicht — das bezieht sich immer auf dieselben Menschen; ist einer dieser Begriffe gesetzt, dann auch alle anderen mit ihm. Paulus hat den Vers in der Vergangenheitsform geschrieben, denn für Gott ist ein einmal gefasster Beschluss so gut wie ausgeführt, so sicher ist seine Erfüllung. Dr. Warfield sagt:

»Es sind dies fünf goldenen Glieder unzerreißbaren Kette, so dass alle, die einen Platz in dieser seiner charakteristischen Sicht haben, von Seiner Gnade Schritt für Schritt zur großen Vollendung gelangen, die sich verwirklicht, wenn sie dem Ebenbild des Sohnes Gottes gleichgemacht werden. Es ist ›Erwählung‹, was das alles zustande bringt, sehen Sie? ›denn die er vorher ersehen hat … die hat er auch verherrlicht.‹«7777     B. B. Warfield, Flugschrift über die Erwählung, S. 10.

Die Schrift spricht von der Erwählung als von einer Entscheidung, die von uns aus gesehen in der Vergangenheit liegt, nichts mit persönlichem Verdienst zu tun hat und vollkommen souverän getroffen wurde. » … als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten — damit der gemäß der Erwählung gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden — wurde zu ihr gesagt: ›Der Größere wird dem Kleineren dienen‹; wie auch geschrieben steht: ›Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst‹« (Röm 9,11—13). Wäre die Lehre von der Erwählung falsch, dann fragen wir uns, was die Worte des Apostels bedeuten sollen?

»Die Illustration der souveränen Annahme Isaaks und Ablehnung Ismaels ist klar; ebenso die Auswahl Jakobs und nicht Esaus vor deren Geburt und damit, noch bevor sie Gutes oder Böses haben tun können; hier wird uns ausdrücklich gezeigt, dass die Errettung nicht in jemandes Willen oder Laufen liegt, sondern allein an Gottes Gnade, und dass Gott Gnade erweist, an wem er will und auch verhärtet, wen er will. Es wird uns klar gezeigt, dass Gott der Töpfer ist, der bestimmt, welches Gefäß er daraus macht: eines zu seinem Wohlgefallen, das andere nicht. Die Sprache an diesen Stellen konnte nicht besser gewählt werden, um die Lehre der Prädestination in vollster Klarheit zu zeigen.«7878     B. B. Warfield, Biblical Doctrines, S. 50.

Selbst wenn wir keinerlei andere inspirierte Aussagen des Paulus zu diesem Thema hätten, wären diese klar und eindeutig genug, um die Lehre der Erwählung als festen Bestandteil biblischer Lehre auszuweisen. Wenn wir uns die Belegstellen der Schrift ansehen, wie sie im Glaubensbekenntnis aufgeführt sind, so sehen wir: Diese Lehre wird von der ganzen Schrift gestützt. Wenn wir die Inspiration der Bibel zugeben, wenn wir zugeben: Die Schriften der Propheten und der Apostel sind vom Geist Gottes eingehaucht und damit unfehlbar, dann aber muss das, was wir darin finden, ausreichend sein; damit müssen wir auch das unabweisbare Zeugnis der Schrift hinsichtlich Erwählung und Prädestination als unwiderrufliche Wahrheit zugeben, zumindest, wenn wir den ganzen Ratschluss Gottes stehen lassen wollen. Jeder Christ muss in irgend einer Form an die Erwählung glauben, und Obgleich die Schrift einige Dinge hinsichtlich der Erwählungslehre unerklärt lässt, stellt sie doch die Tatsache der Erwählung selbst nicht in Frage.

Christus hat seinen Jüngern genau erklärt: »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt … .« (Joh 15,16). Damit erklärt er den Primat des Willens Gottes gegenüber der sekundären Wahl als einer Antwort auf diesen Primat. Der Arminianismus macht jedoch die Errettung von der Wahl des Menschen abhängig; ihm zufolge kann der Mensch die angebotene Gnade entweder annehmen oder ablehnen; damit aber dreht er die Reihenfolge um und macht Gottes Wahl von der des Menschen abhängig! Nirgends in der Schrift gibt es einen Beleg dafür, dass Gott seine Wahl von einer menschlichen Entscheidung abhängig macht, die der Mensch erst in der Zukunft trifft. Der göttliche Wille ist niemals abhängig vom menschlichen Willen.

Die göttliche Souveränität dieser Wahl wird noch an einer anderen Stelle klar: wenn nämlich Paulus erklärt, dass Gott seine Liebe zu uns in Jesus Christus beweist, als wir noch Sünder waren (Röm 5,8) und Christus für Gottlose gestorben ist (Röm 5,6). Daran sieht man, dass keinerlei menschliche Eigenschaften die Liebe Gottes erlangen. Wir haben diese Liebe vielmehr trotz unserer Schlechtigkeit erlangt! Gott wählt die Person und bringt sie zur Umkehr (Ps 65,5). Der Arminianismus entreißt diese Wahl den Händen Gottes und legt sie in die Hände des Menschen. Jedes System aber, das die göttliche Erwählung durch eine menschliche Wahl ersetzt, widerspricht hier der Heiligen Schrift.

In den dunkelsten Zeiten des Abfalls Israels wie auch in allen anderen Zeitaltern war es das Prinzip der Erwählung, was die Menschen in zwei Gruppen teilte und was sicherstellte, dass ein Rest übrigblieb. »Ich will mir 7000 in Israel übrig lassen, alle, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben und welcher Mund ihn nicht geküsst hat« 1. Könige 19,18. Diese siebentausend (Israeliten) taten dies nicht aus eigener Kraft; es wird ausdrücklich gesagt, dass Gott sie für sich behält und dass sie ein Überrest sind.

Gott regiert den Lauf der Geschichte um der Auserwählten willen (Mk 13,20): Sie sind »das Salz der Erde« und »das Licht der Welt«, und zumindest insofern sind sie die wenigen in der Weltgeschichte, durch die die Vielen gesegnet sind — Gott segnete das Haus Potiphar auch um Josefs willen; hätten in Sodom auch nur zehn Gerechte gewohnt, Gott hätte die Stadt nicht untergehen lassen. Die Erwählung enthält die Gelegenheit, das Evangelium zu hören und die Gnade zu empfangen; ohne diese Mittel wäre die Erwählung nicht zu erreichen. Sie sind den Tatsachen nach erwählt, alles zu erlangen, was den Gedanken des ewigen Lebens umfasst.

Neben dieser individuellen Erwählung gibt es auch die Erwählung ganzer Nationen, die Vorherbestimmung einer Nation oder Gesellschaft in Bezug auf das Evangelium und die Segnungen, die damit einhergehen. Gott wendet zweifellos einigen Nationen größere geistliche und zeitliche Segnungen zu als anderen. Dies kann man beispielsweise am Volk Israel sehen, aber auch an bestimmten europäischen Ländern und Gesellschaftskörpern — und auch an Amerika. Der Kontrast ist recht eindrucksvoll; man denke nur an Länder wie China, Japan, Indien etc.

Die Juden sind ein auserwähltes Volk; dies zieht sich durch das ganze Alte Testament. »Euch allein habe ich aus allen Völkern der Erde erkannt« (Amos 3,2). »So hat keinem anderen Volk er getan, noch sie gelehrt seine Rechte« (Ps 147,20). »Denn du bist ein Volk, das dem Herrn, deinem Gott, geweiht ist. Dich hat der Herr, dein Gott, aus allen Völkern auf Erden auserwählt, damit du ein Volk seist, das nur ihm gehört« (5 Mo 7,6). Man sieht hier völlig klar: Gott sah keinerlei Verdienst oder Würde in diesem Volk, die ihn dazu bewogen hätten, gerade dieses Volk auszuwählen. »Nicht weil ihr zahlreicher seid als alle anderen Völker, wandte sich der Herr euch zu, erwählte er euch — ihr seid ja das kleinste von allen Völkern —, sondern, weil euch der Herr liebt und den Schwur hält, den er euren Vätern geschworen hat. Deshalb hat der Herr euch mit starker Hand weggeführt und euch aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Gewalt des Pharaos, des Königs von Ägypten, befreit« (5 Mo 7,7f.). »Und doch hat der Herr sich euren Vätern bei seiner Liebe gegen sie zugewandt und euch, ihre Nachkommen, vor allen Völkern auserwählt, wie es heute der Fall ist« (5 Mo 10,15). Hier wird sorgfältig erklärt, dass Israel im Gegensatz zu allen anderen Völkern auf Erden mit der göttlichen Wahl geehrt wurde; die Wahl beruht auf der unverdienten Liebe Gottes und hat keinerlei Begründung in Israel selbst.

Als der Heilige Geist dem Paulus verbot, das Evangelium in der Provinz Asia zu verbreiten (er hatte eine Vision: ein Mann rief über die Wasser: »Komm nach Mazedonien und hilf uns«), wurde ein Teil der Welt souverän vom Evangelium ausgeschlossen, während ein anderer Teil dieses Privileg genießen durfte. Wäre der göttliche Ruf aus Indien gekommen, so wäre Europa und Amerika heute vielleicht weniger zivilisiert als die Tibeter. Es war die souveräne Gnade Gottes, die das Evangelium den europäischen Nationen und später dann Amerika zukehrte, während die Völker des Ostens, des Nordens und des Südens in Finsternis gelassen worden waren. Wir können keinen einzigen Grund nennen, weshalb gerade Abrahams und nicht Ägyptens oder der Assyrer Nachkommen waren, die ausgewählt worden wurden, oder auch weshalb Großbritannien und Amerika, zwei Staaten, die zur Zeit Christi in völliger Unwissenheit lebten, das Evangelium so reichlich besitzen und dieses großartige Privileg verbreiten können. Die Unterschiede in Bezug auf Glaubensprivilegien in den verschiedenen Ländern sind nichts anderem zuzuschreiben als dem Wohlgefallen Gottes.

Eine dritte Form der Erwählung, welche die Schrift lehrt, betrifft die Mitmenschen der Auserwählten: Auch sie profitieren von den Segnungen, die Gott ihnen der Auserwählten wegen zuwendet. Sie hören und lesen vom Evangelium und partizipieren an der Zivilisation, die der Einfluss des Evangeliums hervorgebracht hat. Niemand hat sich je seinen Geburtstag oder seinen Geburtsort aussuchen können; weder Rasse oder sonst was stand je in seiner Wahl. Das eine Kind wird gesund, ehrenhaft und in eine wohlhabende Familie geboren, in ein gutes Land, ein christliches Heim; das volle Licht des Evangeliums leuchtet ihm. Ein anderes wird in Unehre und Armut geboren, hat sündige und zügellose Eltern und ermangelt jeden christlichen Einflusses. Alle diese Dinge werden souverän für sie entschieden. Niemand würde behaupten, ein Kind, das in gute Umstände geboren wird, hätte es irgend verdient. Hat nicht Gott entschieden, uns zu schaffen, uns nach seinem Bild zu schaffen? Hätten wir vielleicht nicht ebenso gut Hunde, Rinder oder Pferde werden können? Könnte man sich etwa vorstellen, dass sich die Tiere bei Gott beschweren, dass er sie so unterschiedlich gemacht hat? All diese Dinge sind auf Gottes überstimmende Vorsehung zurückzuführen, nicht auf irgendeine menschliche Entscheidung.

»Die Arminianer haben tatsächlich hart daran gearbeitet, all diese Dinge mit ihrer unzureichenden und irrigen Sicht von der Souveränität Gottes und ihren unbiblischen Lehren von der universellen Gnade7979     Gemeint ist die arminianische Auffassung, Jesus Christus sei für unterschiedslos alle Menschen gestorben und nicht vielmehr nur für sein Volk (A. d. Ü.). und Erlösung in Übereinstimmung zu bringen; sie konnten aber mit ihren Erklärungen selbst nie zufrieden sein und konstatieren dann allgemein, es gebe eben Geheimnisse, die nicht erklärt werden können und somit Gottes Allmacht und seinem unausforschlichen Ratschluss überlassen werden.«8080     Cunningham, Historical Theology, Bd. 2, S. 398.

Wir könnten vielleicht noch eine vierte Art von Erwählung erwähnen, die Erwählung einiger Individuen zu ihrer speziellen Berufung: spezielle Begabungen, die einen tauglich machen zum Staatsmann, zum Arzt, zum Anwalt oder auch zum Bauern; musische Begabungen, künstlerische Begabungen, Anmut und Schönheit, Intelligenz, ein sonniges Gemüt usf. Aber im Grunde genommen sind diese vier Arten der Erwählung gleich. Arminianer haben kein Problem, die zweite, dritte und vierte Art von Erwählung zuzugeben; die erste Art wird konsequent geleugnet. Jedenfalls gibt Gott dem einen, was er dem anderen vorenthält. Der Lauf der Welt, aber auch unsere eigenen, persönlichen Erlebnisse zeigen uns, dass die Segnungen völlig souverän und bedingungslos sind. Sie achten nicht irgendwelcher Verdienste oder Taten, die die Erwählung bedingten. Man kann sagen: Generell sind die äußeren Umstände schon bestimmend für jene, die das Evangelium niemals hören, so dass sie keine Möglichkeit auf Errettung haben. Cunningham hat das sehr gut beschrieben:

»Gottes Herrschaft über diese Welt umfasst eine unveränderliche Verbindung zwischen den erfreulichen äußerlichen Umständen oder den Gnadenmitteln einerseits und dem Glauben und der Errettung andererseits. So kann man sagen: Fehlt es an ersterem, dann auch an zweiterem. Wir können aufgrund des ganzen Tenors der Schrift sagen: Insofern Gott in seiner uneingeschränkten Macht jemandem die Gnadenmittel nicht schon selbst gewährt — denn darin besteht ja erst der Vorteil, mit jener einzigen Möglichkeit in Kontakt zu kommen, die einen errettet — versagt er ihm durch eben jenes Vorenthalten auch die Möglichkeit und Kraft des Glaubens und damit die Möglichkeit der Errettung.«11)

Der Calvinismus hält daran fest, dass Gott nicht nur mit der Menschheit insgesamt handelt, sondern auch mit den Einzelnen, die tatsächlich errettet werden: Gewisse Personen hat er zum ewigen Leben ersehen und lässt ihnen in ihrem Leben folglich alles begegnen, damit sie Leben erlangen. Der Calvinismus gibt zu, dass einige Passagen in der Schrift, die von Erwählung sprechen, über die Erwählung von Nationen sprechen oder auch über die Vorbestimmung äußerlicher Umstände; andere Schriftstellen dagegen sprechen ganz unzweideutig von der Erwählung des Einzelnen zum ewigen Leben. Freilich hat es immer welche gegeben, die das ganze Thema der Erwählung komplett geleugnet haben. Sie gehen vom Hinweis aus, dieses Schreckgespenst habe seinen Ursprung im falschen Verständnis des Wortes, das man so noch nicht erlebt hat. Demgegenüber findet man im Neuen Testament die Worte ›elektos‹, ›ekloga‹ und ›eklego‹, also ›erwählen‹, ›Erwählung‹ und ›Wahl‹ etwa achtundvierzig mal (Young‘s Analytical Concordance for complete lists). Andere lassen das Wort in diesem Sinne zwar stehen, erklären aber die Sachlage ganz hinweg. Sie glauben an eine Art »bedingter Erwählung«, die auf vorhergesehenen Tatsachen basiert, etwa auf dem vorhergesehenen Glauben des Einzelnen. Dies aber zerstört den Gedanken an eine Erwählung im besten Sinne des Wortes und macht ihn zu einem Konstrukt, das nur das Vorherwissen zukünftiger Ereignisse bezeichnet, etwa dass eine bestimmte Person über bestimmte Qualitäten verfügen wird. Wie es einmal etwas zynisch formuliert worden ist, erwählt Gott sehr sorgfältig nur jene Personen, die sich aufgrund ihres Glaubensgehorsams selbst erwählt haben. Im Arminianismus verkommt der Begriff »Erwählung« zu einem bloßen Wort, dessen Gebrauch zu nichts gut ist als zur Verschleierung und zur Verwirrung. Das Vorherwissen, dass sich Menschen bekehren werden, würde dann aber völlig falsch mit einem Wort wie Erwählung bezeichnet, denn dieses Vorherwissen bezeichnet genau gesagt überhaupt keine »Erwählung«. Manche Arminianer, die auf ihrer Lehre bestehen, dass der Mensch das Evangelium selbst entweder akzeptieren oder ablehnen müsse und so auch auch wieder verlorengehen könne, beziehen das Wort der Erwählung auf den Zeitpunkt des Todes eines Menschen, weil ja erst dann sicher sein kann, ob jemand errettet ist oder nicht. Die Erwählung erstreckt sich nun aber nicht nur auf den Menschen, sondern auch auf Engel, denn auch sie sind Teil von Gottes Schöpfung und unterstehen seiner Herrschaft. Einige dieser Engel sind heilig und leben glücklich, andere sind sündig und leben im Elend. Die gleichen Gründe, die uns an eine Prädestination des Menschen glauben machen, tun das auch in Bezug auf die Engel. Die Bibel bestätigt das mit dem Hinweis auf die »erwählten Engel« (1 Tim 5,21) oder »heiligen Engel« (Mk 8,38), die in Kontrast zu den Engeln oder Dämonen gesetzt werden. Wir lesen, dass Gott »die Engel nicht verschont hat, die gesündigt haben, sondern sie in den Abgrund hinabgestürzt und den Ketten der Finsternis übergeben hat, um sie für das Gericht aufzubewahren« (2 Petr 2,4). Wir lesen auch vom »ewigen Feuer, das dem Teufel bereitet ist und seinen Engeln« (Mt 25,41). Wir lesen, dass Gott »die Engel, die ihre Herrscherwürde nicht bewahrt, sondern ihre Wohnstätte verlassen haben, unten im Dunkel mit ewigen Fesseln für den großen Gerichtstag verwahrt hält.« Und »Michael und seine Engel stritten wider den Drachen, und der Drache und seine Engel führten Krieg« (Offb. 12,6). Das Studium dieser Passagen zeigt uns, wie Dabney sagt, dass

»da zwei Arten von Geistern dieser Art sind: heilige und sündige Engel, Diener Christi und Diener Satans; sie wurden in einem Zustand der Heiligkeit und der Seligkeit geschaffen und wohnen in einem Bereich, der ,Himmel‘ genannt wird (Gottes Heiligkeit und Güte sind ein ausreichender Beweis, dass er sie nicht möglicherweise anders geschaffen haben könnte); dass die gefallenen Engel freiwillig ihren Bereich verlassen haben, um zu sündigen und daher für ewig aus dem Himmel und der Heiligkeit verbannt worden sind und dass jene, die ihren Herrschaftsbereich nicht verlassen hatten, von Gott dazu erwählt worden sind und somit ihr Zustand der gesegneten Heiligkeit für immer sicher ist.«8181     Robert L. Dabney, Systematic Theology, S. 230.

Paulus erklärt uns nicht, wie Gott denn gerecht sein könne, wenn er denen, die er dazu erwählt hat, die Gnade gewährt, die er anderen vorenthält. Seine Antwort auf die Frage: »Was verklagt er uns dann noch?« (gemeint sind jene, die Gott nicht erwählt hat) ist der Hinweis auf die unumschränkte Herrschaft Gottes: »Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich also? Hat nicht ein Töpfer Macht, aus einem Klumpen zu machen ein Fass zu Ehren und das andere zu Unehren?« (Röm 9,19—21). (Hier geht es nicht um verschiedene Arten von Ton, sondern um Ton vom gleichen Klumpen! Gott kann als Töpfer das eine Gefäß für einen unehrenhaften Gebrauch zubereiten und das andere zu ehrenhaftem!) Paulus zieht Gott nicht von seinem Thron herunter und stellt ihn vor den Richterstuhl menschlicher Vernunft, die das alles erst zu verarbeiten und zu begreifen hätte. Das Geheimnis seines Rates, in das sogar die Engel hineinzublicken wünschen, wird gerade nicht erklärt, außer eben insofern, dass es Gott gefallen hat, so und nicht anders zu entscheiden. Nachdem Paulus dies gesagt hat, lässt er den Gegenstand fallen, so als wolle er uns damit verbieten, über das Gesagte hinauszugehen. Hätte die arminianische Ansicht recht, dass nämlich allen Menschen genügend »Chancen« (und damit Gnade) angeboten wird und jeder für seine Ablehnung oder Annahme des Evangeliums bestraft oder belohnt werden wird, hätte es an dieser Stelle überhaupt kein Problem gegeben.


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