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Die „fünf Punkte“ des Calvinismus

Das calvinistische Lehrgebäude betont speziell fünf verschiedene Lehren. Technisch sind sie unter dem Namen »Die fünf Punkte des Calvinismus« bekannt; auf diesen Hauptpfeilern ruht das ganze Gebäude. In diesem Abschnitt werde ich alle fünf Punkte erklären, die Basis der Schrift angeben und die Argumente anführen, die sie stützen  Danach beschäftigen wir uns mit den gängigsten Einwänden.

Ich werde zeigen, dass die Bibel eine Fülle an Material enthält, aus dem jede dieser Lehren entwickelt werden kann. Diese Lehren sind weder isoliert noch unabhängig, sondern so ineinander verwoben, dass sie ein einfaches, harmonisches, in sich logisches Gedankengebäude darstellen. Die Art und Weise, wie sie als Teile des wohlgeordneten Ganzen zueinander passen, hat die Bewunderung denkender Menschen aller Glaubensrichtung errungen.5858     Dr. mult. Thomas Schirrmacher schreibt in seiner Einleitung zum Westminster-Bekenntnis von 1647: »Philipp Schaff, der die Theologie des Westminster-Bekenntnisses persönlich ablehnte, schrieb in seiner bedeutenden und monumentalen Geschichte und Textausgabe der protestantischen Bekenntnisse dennoch: ›Die Lehren des Bekenntnisses werden mit ungewöhnlicher Sorgfalt, logischer Präzision, Klarheit, Vorsicht, Umsicht und mit einem Auge auf alle verschiedenen Aspekte und möglichen Verbindungen formuliert.‹« [Philipp Schaff. The Historical Creeds. Bd. 3, S 788] (A. d. Ü.). Ist eine dieser Lehren bewiesen, folgen alle anderen logisch und notwendig als Teile des ganzen Systems. Wird eine dieser Lehren erfolgreich widerlegt, muss das ganze System abgelehnt werden. Sie sind passgenau ineinander gefügt und passen perfekt zueinander. Sie sind wie Glieder in der großen Kette der Ursachen; kein einziges Glied kann weggelassen werden, ohne die frohe Botschaft des Heilsplans Christi zu ruinieren und zu zerrütten! Wir können nicht annehmen, dass das nur zufällig so ist oder auch nur möglich ist, wenn diese Lehren nicht wahr wären.

Wir müssen im Auge behalten, dass in diesem Buch nicht diskutiert wird, was in der evangelischen Christenheit außer Frage steht, sondern das, was dem calvinistischen System eigentümlich ist. Wenn man das vergisst, wird vieles von der Kraft und der Schönheit des typischen Calvinismus verlorengehen und die so genannten »Fünf Punkte des Calvinismus« — die übrigens historisch und real gesehen das Gegenstück zu den so genannten »Fünf Punkten des Arminianismus« ausmachen — würden einen ungebührlichen Platz im System einnehmen. Der Leser sei also davor gewarnt, die Fünf Punkte zu sehr mit dem Calvinismus zu identifizieren. Zwar: es sind wesentliche Elemente, doch enthält das Lehrgebäude wesentlich mehr. Wie in der Einleitung erwähnt, stellt das Westminster-Bekenntnis ein ausgewogenes Beispiel des reformierten Glaubens oder Calvinismus dar; es stellt überdies alle christliche Lehren in ihrer angemessenen Bedeutung dar. Die Fünf Punkte kann man sich leicht mit dem Wort T-U-L-I-P merken: T — Total Inability; U — Unconditional Election; L — Limited Atonement; I — Irresistible [efficacious] Grace und P — Perseverance of the Saints.5959     1) völlige Verderbtheit (gemeint ist, dass der Mensch aufgrund seiner auf den Sündenfall zurückgehenden Verderbtheit sich nie von sich aus Gott zuwenden würde); 2) bedingungslose Erwählung; 3) begrenzte Sühne (Jesus starb nicht  für alle Menschen ohne Unterschied, sondern nur für sein Volk); 4) unwiderstehliche (besser: vollwirksame) Gnade; 5) Beharren der Heiligen (A. d. Ü.).


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